Freitag, 22. August 2008


Wir leben in merkwürdigen schlimmen Zeiten: Wir lassen uns von sog. Dienstleistern wie der Bahn oder Post entmündigen und uns zu Sklaven ihrer Automaten machen und zahlen sogar noch dafür. Wir lassen uns in unserer Intelligenz von ihren Automatendesignern erniedrigen und sind nicht mehr in der Lage, selbständig eine Fahrkarte am Bahnhof zu kaufen. Wir passen uns dem Automaten an oder versagen!

Deshalb nehmen uns freundliche Bahnbedienstete an die Hand und führen uns durch die Menüs ihrer blechernen, sprachlosen Kisten. Und wer dennoch Angst hat, am Automaten zu scheitern, der kann jetzt einen Kurs bei der Volkshochschule Dortmund in Bahnkartenautomatenbedienung belegen. Wir kommen ohne diese Hilfe sonst nicht mehr von A nach B. Unfassbar!


Automatenschulung Deutsche Bahn
Auf vielen Bahnhöfen und Bahnstationen besteht keine Möglichkeit mehr, die Fahrkarten am Schalter zu erwerben oder eine persönliche Auskunft über Zugverbindungen zu erhalten. Auch wenn die Fahrkartenschalter nachts oder an Feiertagen geschlossen sind, ist man auf Automaten angewiesen. Nicht nur diejenigen, die der modernen Technik eher skeptisch gegenüber stehen, auch in der Regel technisch versierte Bahnreisende verzweifeln häufig bei der Bedienung des Automaten – besonders dann, wenn noch Zeitdruck dazu kommt. Man gerät dann schnell in Hektik: Welche Taste ist zu drücken? Wie komme ich am besten von Dortmund nach Lünen? Wann fährt der nächste Zug von Köln nach Düsseldorf? Wie kaufe ich eine Verbund-Monatskarte?

Diese und weitere Fragen beantwortet Ihnen der neue VHS-Kurs. Er bietet die beste Gelegenheit, zusammen mit einem Experten am Automaten zu trainieren: unterschiedliche Tarife, Strecken, Vergünstigungen können eingegeben werden, wenn man weiß, wie. Nach dem Kurs sind Sie in der Lage, das Beste aus dem Automaten „herauszuholen“, Fahrkarten schnell und unkompliziert auszudrucken, sich die günstigsten Zugverbindungen anzeigen zu lassen und Platzreservierungen vorzunehmen. Nah- und Fernverkehrsautomaten werden für Sie dann keine Geheimnisse mehr sein!

Der Referent, Dirk Haferkemper, ist Empfangschef im Reisezentrum Dortmund Hbf. Wir treffen uns mit ihm zu Beginn des Kurses im Gebäude der Volkshochschule, Hansastr. 2-4 und werden uns nach einigen einführenden Erläuterungen zu Fuß zum Hauptbahnhof begeben, um direkt am DB Automaten die frisch erworbenen Kenntnisse in der Praxis zu testen.

Automatenkauf ist Demütigung und psychische Gewalt. Wer nicht so funktioniert, wie es der Automat verlangt, wird als der einsamste Mensch vor der Kiste stehen und Gewaltphantasien in sich aufsteigen fühlen, weil er körperlich spürt, wie er versagt hat.

Automatenkommunikation ist nicht interaktiv, wer das vielleicht meint. Der Automat reagiert nie auf uns, nur wir reagieren auf den Automaten und deshalb ist der Umgang mit Automaten eine Diktatur der Maschine über den Menschen

Wehret den Anfängen, lasst euch nicht zu Plugins eines Fahrkartenautomaten machen, sonst dürft ihr bald noch die Kurse: Paketstation, Lufthansa-Checkin und Telekom-Call-Center machen, um überhaupt noch im Leben klar zu kommen. Verlangt echte Menschen, seid stolz auf die wichtigste Errungenschaft des Menschen – die Sprache! Kommuniziert, redet, sprecht, verweigert den Maschinen den Gehorsam!

Hinweis gefunden bei: leralle

Der Eimer des Losverkäufers auf der Kapitalmarktkirmes ist randvoll mit Losen gefüllt. „Jetzt zugreifen meine Damen und Herren! Verpassen Sie nicht den Hauptgewinn! Zehn Lose nur 50 Millionen Dollar!“, schreit er über den Platz. Ausgelassen greifen die Besucher zu. Die Subprimelose gehen weg wie nix. Der Eimer ist doch voller Gewinne, so glaubt man.

Das ist Vergangenheit, die Kirmes inzwischen abgebaut, der Festplatz wirkt leer und traurig. Auf dem Boden liegen die alten Loszettel: „Niete, leider verloren“ ist auf der Innenseite zu lesen.

Auch die Banker der IKB hatten die Taschen voller Lose und es verschlägt einem wirklich den Atem. Man fragt sich, worüber man sich mehr aufregen soll. Über die Gier oder Ahnungslosigkeit der Banker, über das Stillhalten der Politik, das Versagen der Finanzaufsicht oder über die Art und Weise, wie die jetzt IKB auf Kosten der Allgemeinheit durch den Verkauf an einen Investor abgewickelt wird. Der größte Skandal bei diesem Thema ist für mich, wie dreist dabei die parlamentarische Kontrolle ausgehebelt und umgangen wird.

Bisher dachte ich, wir leben in einer funktionierenden Demokratie. Aber es kommen langsam Zweifel. Milliardenbeträge, über deren Bewilligung es sonst tage-, wochen-, oder gar monatelangen Streit gibt, werden hier einfach auf Kosten des Bürgers verfügt. Mit der KfW hatte man ja ein Vehikel, das von keinem Parlament wirkungsvoll kontrolliert wird.

Jeder von uns übernimmt nun ein Teil des Risikos für diese Bankpleite ohne auch nur die entfernteste Aussicht zu haben, an einem möglichen Erfolg dieser Investition zu partizipieren. Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass nach dem beschlossenen Verkauf auch noch gemauert und vertuscht wird und keine Partei auch nur ernsthafte Anstrengungen unternimmt, wenigsten für Aufklärung zu sorgen? Rechenschaft zu fordern und Konsequenzen zu ziehen.

Die Banker sind derweil weiter ganz unbekümmert: „Egal, wir hatten doch unseren Spaß. 10 Milliarden Euro auf Kosten des deutschen Steuerzahlers auf der Kirmes verballert? Scheißegal! Es fragt doch keiner und unser Gehalt oder eine schöne Abfindung bekommen wir doch obendrauf.