Wir haben Anfang Mai, doch der Ausdruck „Share Economy“ hat schon jetzt das Zeug das Buzzword 2009 zu werden. Alle redet nur noch vom Teilen. So wie auf der next09-Konferenz Anfang der Woche in Hamburg.

Wer nicht teilt ist doof – das war eigentlich schon immer so. Jedenfalls im Kindergarten und auch noch in der Schule. Die, die was abgegeben haben waren beliebt. Die, die alles für sich behalten haben, waren dagegen clever, zogen ihre Vorteile (und machten später Karriere). Und weil wir nach und nach alle erkannten, dass die, die nicht teilen, irgendwie erfolgreicher waren, haben wir uns das Teilen abgewöhnt. Schließlich war ja auch der Sozialismus früh gescheitert. Wer teilt ist doof.

Im Grund wurde die gesamte Gesellschaft auf dem Prinzip des “Nicht-Teilen-Wollens” auf- bzw umgebaut. Was blieb ist ein Stück Sozialstaat (bei uns – zum Glück!) Umair Haque beschrieb auf der next in seinem Vortrag die Leitworte der heutigen Wirtschaftsordnung: Exploit,command, war, dominate, profit.

Auf Basis dieser Ideen entstand auch die modere Finanzwirtschaft, die nun gerade vor unseren Augen kollabiert aber mit gewaltiger Kraftanstrengung am Leben gehalten wird. Interessanterweise ist der einzige der hier (zwangsweise) teilt, der Bürger.

Und dieses Prinzip Eigennutz soll sich dank des Webs in Luft auflösen? Ist die „Share Economy“ etwa der neue Sozialismus oder ist die Moral (vom Teilen) nur die neue Gier der Cleveren, die noch nie selbst was abgegeben haben aber jetzt vom Teilen-Sollen reden.

Ich bin ehrlich gesagt noch unentschieden. Und wundere mich immer, warum es nie Kritik an Jeff Jarvis und seiner handlungsleitenden Maxime: „What would google do“ (implizit: do what google would do) gibt. Wie kann ein Quasi-Monopolist wie Google zur Share Economy passen? Become a monopolist, das Kapitel fehlt jedenfalls in seinem Buch.

Und vielleicht bedeutet share economy einfach nur Teilen aus Eigennutz und ist daher eben nicht der neue Sozialismus mit den neuen menschlichen Idealen wie Haque sie sich wünscht. Als da wären Nachhaltigkeit, Demokratie, Frieden, Gleichheit und Sinn. Jedenfalls müßten sich alle an diese Regeln halten, damit es funktioniert.

Dass Wirtschaft Krieg ist, glauben eh nur die, die sich in diesem Krieg befinden und ihn täglich führen und (bis jetzt) daran verdien. Die schönsten Beispiel liefern in diesen Tagen die Schaefflers, Porsches und Pieches. Ich weiß nicht, ob Google nicht auch dazu gehört, trotz der kostenlosen Dienste, die ich nicht missen möchte. Wer sich aber nie hat kompromittieren lassen, für den ist die Diskussion um die Share-Economy nur die Rückkehr zu alten, lange vergessenen Werten. Ist das nun wieder nur ein Trend oder eine nachhaltige Bewegung, ein ehrlicher Sinneswandel? Noch bestehen Zweifel.

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