Warum steht das Versandhaus Quelle kurz vor der Pleite? Weil es einen Katalog drucken will! Der Quelle-Katalog war damals bei meinen Eltern immer so etwas wie der Shoppinganteil des Internets: Da lag er dann, ausgedruckt auf dem Küchentisch. Man konnte darin surfen, blättern, sich die Sachen anschauen, die man gerne einmal hätte. Vom neuen Polstersessel über die Privilleg Waschmaschine bis zum ersten eigenen Farbfernseher oder den Staubsauger.

Miele Staubsauger von Quelle, vermutlich 1981
Der Katalog war dick, sehr dick. Genau wie das Web heute beinhaltete er das zu seiner Zeit denkbare Warenuniversum. Den Duft der frisch gedruckten Seiten habe ich als Kind inhaliert, um dann immer studenlang in den Kapiteln über Fahrräder und Unterhaltungselektronik zu blättern. Meinen ersten Schaub-Lorenz-Cassettenrekorder durfte ich dort bestellen und habe ihn dann Weihnachten bekommen.
Der Quelle-Katalog hatte übrigens damit genau die Sinnlichkeit der Nutzung, die die Macher von Tageszeitungen auch von ihrem Produkt annehmen und er funktioniert trotzdem nicht mehr. Weil mittlerweile das denkbare Warenuniversum im Netz eben unendlich ist und die Zusammenstellung des Katologes eine Begrenzung, die kein Kunde mehr akzeptiert. Eben genau wie bei den Nachrichten.
Wir hatten immer viele Produkte von Quelle, von der Waschmaschine angefangen bis hin zum Staubsauger. Und der funktioniert immer noch – nach 28 Jahren! So eine Qualität gibt es heute gar nicht mehr. Ich werde ihn weiter in Ehren halten als Erinnerung an den Quellekatalog mit seinem herrlichen Duft. Da kann das Web wirklich noch nicht mithalten. Aber der Duft alleine rechtfertigt nicht mehr seine Herstellung.
Juni 25, 2009 at 1:33
Den selben Staubsauger hatte meine Mutter bis vor wenigen Wochen auch noch in Betrieb! Weiß aber nicht mehr, ob der von Quelle war.
Juni 25, 2009 at 4:10
Das Konzept von Quelle ist vor allem problematisch wegen der Vorratshaltung aller Waren. Vom Einkauf bis zur Einlagerung ergibt das schon eine katastrophale Fixkostenstruktur – das machen ja viele Versandhändler inzwischen anders. Und leider lassen sich Printkataloge nicht updaten… Ich erinnere mich an zahlreiche unvollständige Lieferungen, was dann immer enttäuschend ist.
Juli 4, 2009 at 4:05
Die Generation 50+ bestellt aber größtenteils noch per Katalog. Meine Eltern ( 58 + 60 ) sind kaum im Netz, da sie uralte PCs haben, können sie die Shoppingseiten – Amazon mal ausgenommen – kaum, bzw. nur quälend langsam aufrufen. Sie haben auch noch eine Tageszeitung abonniert, würden nie Nachrichten im Internet lesen.
Das Problem bei Quelle ist vielschichtig. Früher haben sie unter der Hausmarke UNIVERSUM auch viele Produkte entwickelt, selbst produziert, bzw. produzieren lassen, die günstig waren und sehr stabil verarbeitet.
Der 1982 von meinem Vater gekaufte Universum Betamax Videorecorder funktioniert immer noch.
Anfang der 90er hat man dann nur noch weiße Ware produziert, die Eigenentwicklungen stark zurückgefahren. Das Angebot bei der Unterhaltungselektronik stark eingeschränkt. Davon haben auch Saturn und Co. profitiert.
Diese verlorenen Marktanteile lassen sich kaum noch zurückgewinnen, erst recht nicht mit den hohen Preisen in diesem Segment.
Wenn Quelle bei Kleidung und Krimskrams sehr günstig ist, dann wird der Preisvorteil bei Kleinbestellungen durch die hohe Portopauschale wieder aufgefressen.
Seit Mitte der 90er sind die Weichen da falsch gestellt worden.