Medien


Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.

1. Das Internet ist anders.

Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.

Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.

Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.

Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.

7. Das Netz verlangt Vernetzung.

Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs.

Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.

Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.

Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren

13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.

Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

14. Das Internet kennt viele Währungen.

Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.

Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.

17. Alle für alle.

Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die „Generation Wikipedia“ weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.

Internet, 07.09.2009

Markus Beckedahl
Mercedes Bunz
Julius Endert
Johnny Haeusler
Thomas Knüwer
Sascha Lobo
Robin Meyer-Lucht
Wolfgang Michal
Stefan Niggemeier
Kathrin Passig
Janko Röttgers
Peter Schink
Mario Sixtus
Peter Stawowy
Fiete Stegers

2009 CC-BY

Internet-Manifest

Wer das Internet-Manifest mit weiterentwickeln will,
kann das hier, im Wiki tun.

Wie schön, das Netz hat eine neue, alte Debatte. Denn wenn Hubert Burda quasi ex cathedra spricht, dann ist das für die Branche immer noch ein Grund zuzuhören. Auf seinen Text in der FAZ („Wir werden schleichend enteignet“) gab es daher zwangsläufig viele und heftige Reaktionen.

Eigentlich ist es müßig, die Diskussion: „Die (guten) Verlage und das (böse) Netz“ immer wieder aufs Neue zu führen. Denn es gibt weder neue Argumente noch andere Lösungen. Doch man sollte vorsichtig sein. Denn Burda wollte natürlich nicht die Menschen im Netz erreichen, die sich jetzt an ihm und seinen Argumenten abarbeiten (Martin Oetting, Ulrike Langer und viele andere). Seine Adressaten sind seine Leute im VDZ und in der Politik.

Deren Aufmerksamkeit bekommt man nämlich am besten über einen schönen großen Artikel in der Faz. Ich halte Hubert Burda aber für viel zu schlau, als dass er blauäugig mal eben unüberlegt einen feuilletonistischen Meinungsbeitrag ohne Ziel und Zweck abdrucken lässt. Schließlich ist er erfolgreicher Unternehmer und möchte das auch bleiben.

Der Text ist daher ein einziger Appell an die Politik, erneut Partei für die Verleger zu ergreifen. Das hat schon bei der Breitseite gegen die Onlineaktivitäten des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks sehr gut funktioniert. Mit dem Ergebnis des jetzt in Kraft getretenen 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages und der Einführung von so lustigen Begriffen wie „presseähnliches Erzeugnis“ (s.u.).

Hubert Burda weiß es besser, denn als 2005 der erste DLD stattfand (damals noch Digital Lifestyle Day), da wollte es der Zufall, dass ich im Veranstaltungssaal von Schloss Nymphenburg in München direkt neben dem Verleger saß. Und so bekam ich unmittelbar mit, wie sich Burda den neuen Medien nähert: In dem er Hof hält und einfach alle Trendsetter nach München lädt und sich persönlich von der Szene die Ideen präsentieren und sich inspirieren lässt. Burda saß und sitzt dabei immer in der ersten Reihe. Damals schrieb er alles in ein mit seinen Initialen geprägtes Büchlein, notierte zum Beispiel was Caterina Fake über das noch junge Angeobt Flickr zu erzählen hatte.

Burda kennt sie wirklich alle und die Top-Gründer zählen heute zu seinen persönlichen Kontakten, angefangen von Yossi Vardi (Gründer mult. und ICQ-Erfinder) über Marissa Mayer (Google) bis hin zu Esther Dyson (ED Venture).

Der DLD ist heute die angesagteste Konferenz in Deutsch-Digitalien, mittlerweile firmierend als: Digital, Life, Design, an inspiring community for the 21st century which features digital innovation, science and culture and brings together thought leaders, creators, entrepreneurs and investors from Europe, the Middle-East, the Americas and Asia.

Viele waren in diesem Jahr übringes sehr sauer, dass sie aufgrund der reduzierten Teilnehmerzahl nicht in die Kardinal Faulhaber Straße kommen durften. Niemand kann mir darum erzählen, Burda habe keine Ahnung vom Web. Zumal 2009 auch viel vom Journalismus gesprochen wurde und Jeff Jarvis sogar sein neues Buch verteilen durfte. Schließlich hat Burda zusätzlich noch einen Haufen guter Berater und Insider um sich geschaart, die sich, wenn sie nicht gerade den DLD organisieren, jede Konferenz der Welt zum Thema anhören wie man auf Twitter ja leicht nachvollziehen kann.

Wieso also dann diese Reaktion, dieser Text? Eine Antwort darauf bewegt sich natürlich im Bereich der Spekulation. Entweder er hat, seit es den DLD gibt, wirklich nichts dazu gelernt, was ich nicht glaube. Oder die Zeit der traditionellen Verlage ist tatsächlich vorbei und Burda spricht mehr für den VDZ als für sich die Abschiedsworte. Der Versuch jedenfalls, das tradierte Geschäftsmodell von analog auf digital umzusetzen sonst aber so weiterzumachen wie bisher ist gescheitert.

Ich halte dabei die Standesorganisationen VDZ und BDZV für relativ unglücklich agierende Vereine, weil sie aus meiner Kenntnis heraus immer auf Abwehr eingestellt waren und nie selbst in die Innovationsoffensive gegangen sind. Stattdessen versucht man dort mit aller Macht statt der Inhalte den Vetriebsweg auf Papier zu schützen, weil sich Anzeigen nun mal nur auf Papier drucken lassen. Nebenbei sollten dazu auch den Begriffen aus der Printwelt im Web Gültigkeit verschafft werden. Das mündet dann in der kruden Idee, journalistische Inhalte im Web als presseähnliche Erzeugnisse zu bezeichnen.

Jetzt wieder nach dem Staat zu rufen, ist nur ein Zeichen für den Beginn des letzten Gefechts. Ich würde stattdessen gerne mal einen Text von Hubert Burda mit dem Thema lesen: „Was ich auf dem DLD gelernt habe“ und freue mich schon auf den DLD 2010. Ich hoffe, dass ich teilnehmen darf. Und vielleicht sitze ich ja wieder neben Hubert Burda persönlich. Dann werde ich mal versuchen, in sein Notizbuch zu spinksen (und anschließen hier berichten

Warum steht das Versandhaus Quelle kurz vor der Pleite? Weil es einen Katalog drucken will! Der Quelle-Katalog war damals bei meinen Eltern immer so etwas wie der Shoppinganteil des Internets: Da lag er dann, ausgedruckt auf dem Küchentisch. Man konnte darin surfen, blättern, sich die Sachen anschauen, die man gerne einmal hätte. Vom neuen Polstersessel über die Privilleg Waschmaschine bis zum ersten eigenen Farbfernseher oder den Staubsauger.

Miele Staubsauger von Quelle, vermutlich 1981

Miele Staubsauger von Quelle, vermutlich 1981

Der Katalog war dick, sehr dick. Genau wie das Web heute beinhaltete er das zu seiner Zeit denkbare Warenuniversum. Den Duft der frisch gedruckten Seiten habe ich als Kind inhaliert, um dann immer studenlang in den Kapiteln über Fahrräder und Unterhaltungselektronik zu blättern. Meinen ersten Schaub-Lorenz-Cassettenrekorder durfte ich dort bestellen und habe ihn dann Weihnachten bekommen.

Der Quelle-Katalog hatte übrigens damit genau die Sinnlichkeit der Nutzung, die die Macher von Tageszeitungen auch von ihrem Produkt annehmen und er funktioniert trotzdem nicht mehr. Weil mittlerweile das denkbare Warenuniversum im Netz eben unendlich ist und die Zusammenstellung des Katologes eine Begrenzung, die kein Kunde mehr akzeptiert. Eben genau wie bei den Nachrichten.

Wir hatten immer viele Produkte von Quelle, von der Waschmaschine angefangen bis hin zum Staubsauger. Und der funktioniert immer noch – nach 28 Jahren! So eine Qualität gibt es heute gar nicht mehr. Ich werde ihn weiter in Ehren halten als Erinnerung an den Quellekatalog mit seinem herrlichen Duft. Da kann das Web wirklich noch nicht mithalten. Aber der Duft alleine rechtfertigt nicht mehr seine Herstellung.

Man mag es kaum glauben aber die Grundidee hinter Google Wave ist mehr als 40 Jahre alt. Denn 1967 machte sich Ted Nelson daran, auf Basis des vom ihm erdachten Hypertext-Systems, unter dem Namen Xanadu eine allumfassende Bibliothek des Weltwissens zu entwickeln. Kern von Xanadu war ein ausgeklügeltes Dokumentenmanagementsystem.

Erst kürzlich machte mich @sixtus auf Xanadu aufmerksam und empfahl mir einen Wired-Artikel aus dem Jahre 1995 zur Lektüre. Zufällig schaute ich mir gleichzeitig noch die Wave-Präsentation auf Youtube an, und plötzlich war es so, als würde der Wired-Text genau das beschreiben, was bei Wave realisiert wurde:

Xanadu could (also) provide a tool for rational discussion and decision making among very large groups. In the Xanadu docuverse, an assertion could always be followed back to its original source. An idea would never become detached from its author. Public discussion on important issues would move forward logically, rather than merely swirling ineffectively through eddies of rhetoric. In fact, any reader could, by creating and following links, freeze the chaotic flow of knowledge and grasp the lines of connection and influence.

In der Wikipedia heißt es dazu:

Wie das World Wide Web war Xanadu als dezentrales Speichersystem für Dokumente gedacht. Jedes Dokument in Nelsons Hypertext-Raum sollte eine absolut eindeutige Adresse (unabhängig vom Speicherort) besitzen. Innerhalb des Dokuments sollten selbst einzelne Zeichen direkt von anderswo adressierbar sein. Dokumente stellte sich Nelson als unlöschbare Einträge in einer globalen Datenbank vor. Man konnte zwar, so die Idee, eine neue Version veröffentlichen, doch die alte Version des gleichen Dokuments blieb verfügbar, und Unterschiede zwischen zwei Versionen ließen sich auf einfache Weise sichtbar machen. Zusammengehörende Dokumente sollten in parallelen Fenstern, so genannten transpointing Windows, samt den Verbindungen dazwischen angezeigt werden.

Verweise sollten bidirektional sein; wenn man eine Seite in Xanadu betrachtete, sollte man also auch sehen, welche anderen Seiten auf diese Seite verwiesen. Anstelle des im Web üblichen „Copy & Paste“, des einfachen Kopierens von Inhalten, sollten die Adressen von Inhalten an der Stelle, an der man sie benutzt, eingefügt werden. Wenn man also z. B. ein Buch zitiert, würde man einfach die Adresse (also die global eindeutige Nummer des Buches sowie die Zahl der zu zitierenden Zeichen) an der entsprechenden Stelle einfügen, nicht den Zitattext selbst (sog. Transklusion). Der Client (das Xanadu-Äquivalent zum Webbrowser) würde die entsprechenden Daten dann an der richtigen Stelle einfügen.

In mancher Hinsicht gingen bzw. gehen Ideen von Xanadu weit über das hinaus, was später durch das Internet realisiert wurde. Beispielsweise beinhaltete Xanadu ein Rechtemanagement, dass es ermöglichen sollte, Autoren bei der Nutzung ihrer Werke durch andere automatisch zu vergüten.

Und damit wird auch deutlich, welches Potential noch in Wave steckt. Wenn es so funktioniert, wie es sich die Entwickler vorstellen, lässt sich Wave um viele Module erweitern, wie eben ein Rechtemanagement.

Ted Nelsen war ein Visionär, der rund 30 Jahre an der Verwirklichung seines Traum zusammen mit anderen gearbeitet hat und aus verschiedenen Gründen gescheitert ist. Der Wired-Text ist wirklich lesenswert. Spannend ist nun, dass Google sich bewußt oder unbewußt eben genau diese Ideen zu nutze macht und es schafft, über die bestehende Systematik des Webs hinauszudenken. Während andere, wie Microsoft mit seinem Projekt Bing, im bestehenden Rahmen bleibt und Anwendungen für das Web erfindet, baut Google das Web ein Stück weit neu (Über die Vor- und Nachteile muss man sich dann noch gesondert unterhalten).

12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag – das Wort muss man sich mal erst auf der Zunge zergehen lassen, bevor man weiter schreibt. Also noch mal: 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag. Als Redakteur bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten sollte man das Papier ab jetzt immer gleich neben der Tastatur liegen haben. Denn dieser Knebelvertrag sieht vor, dass vor der Veröffentlichung von Inhalten auf öffentlich-rechtlichen Onlineangeboten ab dem 1. Juni genau geprüft werden muss, ob eben jener Inhalt auch dem 12. RÄSt entspricht und einen publizistischen Nähr- bzw. Mehrwert besitzt. Wenn nicht gibt’s Ärger.

Schon vor dem Inkrafttreten zeigt das Machwerk seine Wirkung. Der WDR nimmt gleich mal den erfolgreichsten Teil seines Webangebots vom Netz, wie Stefan Moll, Leiter der WDR Internetredaktion heute auf WDR5 erklärte. Der EinsLiveLiebesalarm ist nach den Maßstäben des 12. RÄSt nämlich vollkommen daneben, für den Sender EinsLive ist das ein Tritt ins Gemächt.

Die Onlinecommunity für junge Hörer, war nämlich dermaßen erfolgreich, dass sie schon vorher auf 30.000 Mitglieder gedeckelt wurde. „Andernfalls wäre das Dinge durch die Decke gegangen“, sagt Moll. Und jetzt ist heißt es bei EinsLive nur noch Fehlarm, wenn es um Dating geht.

Denn wie gesagt, das Angebot ist nicht sedungsbegleitend und ohne Mehrwert und daher von Übel.

Was für ein Schwachsinn. Da beschwert sich alle Welt, dass die Öffentlich-Rechtlichen nur noch die Omis und Opis erreichen und dann schafft es mal ein Sender ein zielgruppengerechtes Programm zu machen und wird nun von den Ministerpräsidenten, die den 12. RÄSt nach erfolgreicher Lobbyarbeit der Privaten und der Verleger vereinbart haben, abgewürgt.

Man ignoriert einfach die Medienrealität und verpflichtet die Öffentlich-Rechtlichen Anbieter auf ein überkommenes Rundfunkmodell und definiert das Web zu einer Art Abspielkanal um. Alle Vorteile des Medienkonsums im Internet, beispielsweise die Zeitsouveränität und die Archivfunktion werden können nur noch rudimentär oder gar nicht angeboten werden. Die Regelungen sind dermaßen absurd und ergehen sich in nur in Beschränkungen. Sie geben aber keinerlei Auskunft darüber, wie man sich von Seiten der Politik in einer Welt der konvergenten Medien überhaupt noch den Auftrag für die ÖR-Rechtlichen Anstalten vorstellt, wenn sie ihre zukünftigen Nutzer nicht da erreichen dürfen, wo sie sich aufhalten, nämlich im Netz.

Am überkommenen Rundfunkdenken festzuhalten kann jedenfallas nicht die Lösung sein. Doch wenn es nur das Entfernen von unzulässigen Inhalten wäre, nein – das Spiel geht weiter. Jetzt beginnt die hohe Zeit der Bürokraten, Gutachter und Prozesshansel. Jeder Sender muss fortlaufend für seine Kernaktivitäten und neue Angebote- beispielsweise der NDR für Tagesschau.de – die Vertragsmäßigkeit mittels eines Dreistufenstest nachweisen.

Dafür werden dann umfangreiche Gutachten in Auftrag gegeben, die schnell Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen werden. Eine sinnlosere Verwendung von Gebührengeldern kann man sich wirklich nicht mehr vorstellen. Und dass alles nur wegen des Liebesalarms.

Und wie sieht die Zukunft aus? Auf der einen Seite werden die Webangebot willkürlich beschnitten und auf ein „sendungsbegleitendes“ Mindestmaß reduziert. Auf der anderen Seite Suchen die Privaten wieder ihr Heil in Paid Content Modellen. Am Ende wird die Vielfalt im Web reduziert – kann das im Sinne der Erfinder sein?

Es wäre natürlich vorschnell und falsch, Twitter als Instrument der politischen Kommunikation abzuschreiben, noch bevor sich dieser Kanal überhaupt entwickelt hat. Auch wenn die Köhler-Twitter-Panne oder nennen wir sie besser die Twitter-Köhler-Panne ein schönes Beispiel dafür ist, wie es gerade nicht geht bzw. dafür, dass einige Politiker eben nicht an sich halten können, wenn sie etwas wissen, was andere noch nicht wissen.

wahl.de

Vormals haben die Journalisten davon profitiert, die dann anderntags ihre Exklusivgeschichte schreiben konnten. Jetzt braucht man diese Zunft nicht mehr und pustet seine (Geheim-)Information via Twitter gleich selbst in die Welt hinaus.

Man könnte also schnell behaupten, politisch Twittern ist sprachliche Inkontinenz und wie geschaffen für Politiker. Menschen also, die a) sich selbst immer im Mittelpunkt sehen, b) gerne und viel reden, worüber ist egal, Hauptsache reden, c) zu jedem Thema etwas sagen können, und wollen und dass immer auf Anhieb, sobald sich ein Sprechkanal öffnet d) nichts für sich behalten können.

Aber wie gesagt, das hieße, es sich zu einfach machen. Denn der politische Twitter-Raum beginnt sich gerade erst zu entwickeln. @tsghessen (T. Schäfer-Gümbel, Fraktions- und Landesvorsitzender SPD Hessen) macht im Rahmen der Hessen-Wahl den Anfang, indem er mit seiner Twitterei die Wahrnehmungsschwelle in den traditionellen Medien durchbrach.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Mittlerweile gibt es eine bunte Twittermischung im Netz, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Da sind die einfallslosen Pressemitteilungsverlinker wie @spdde, die das Prinzip, besser gesagt die Chance noch nicht begriffen haben, die in diesem neuen Kanal steckt. Sie hängen weiter dem „Broadcast-Modell“ der Politik an, wie es Don Tapscott ausdrück.

Aber es finden sich auch schon einige Polit-Stars, wie @volker_beck und @bueti (Reinhard Bütikofer), die es bereits schaffen, ansatzweise die politische Diskussion, beispielsweise des Bundesparteitages der Grünen, mit anderen aus der Partei auf Twitter fortzuführen, und das sogar mit Argumenten.

Und dann gibt es die Regionalpolitiker wie @BoehningB (Bjoern Boehning, SPD-Direktkandidat in Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost), die erkannt haben, dass Twitter für sie ein Plattform ist, mit der sie auch über die Grenzen ihres Wahlkreises hinaus bekannt werden können.

Politisch wertvoll könnte Twitter dann werden, wenn der Dienst in einer breiteren Wählerschaft, sagen wir mal von Jungwählern, Verbreitung finden würde. Plötzlich öffnete sich ein unkomplizierter Direktkanal zum Volksvertreter. Man abonniert einfach den Nachrichtenstrom der Kandidaten, die einen interessieren und ist mittendrinn im politischen Gespräch. Einfacher war Kommunikation mit dem Wähler nie.

Und dann wird es sich auch als Irrtum herausstellen, dass nur der Gehör findet, der (vorschnell) seine „ich weiß was“-Botschaften absendet und aus den geschlossenen Sitzungssälen zwitschert. Der Politiker wird überzeugen, der es schafft, seinen Followern (interessanter Begriff im politischen Zusammenhang) auch zuzuhören. Denn der (Zeit-)Aufwand und auch die Kosten einer Kommunikation mit dem Wähler ist durch Twitter noch einmal gesunken, jetzt gilt es diese Möglichkeit zu nutzen.

Ganz praktisch sind übrigens die zahlreichen Meta-Dienste, die sich rund um die politische Twitter-Szene gebildet haben. Auf www.wahl.de, www.parteigefluester.de und www.twitterwahl.de lassen sich die Twitter-Aktivitäten der Poltik in aggregierter Form beobachten. Und dass ist allemal schon besser und spannender als die Infra-Test, soundso Formate, die das Fernsehen zu bieten hat.

Relativ schnell kann man so erkennen, wer an einer echten Diskussion mit seinen Wähler interessiert ist und wer nicht. Für die Politiker ergibt sich ganz nebenbei der Vorteil, dass sie leicht erkennen können, was die Menschen bewegt und worüber sie (mit ihnen) reden möchten. „More People can say more things to more people than ever in history“, sagt dazu Clay Shirky. Und damit gebe ich zurück ins Wahlstudio.

Und hier noch ein Videohinweis zum Thema:
„Us now“ von Banyak Films.

Paid Content funktioniert nur dann, wenn bei dem, der zahlen soll, der Eindruck entsteht, er bekommt etwas zu sehen, was er sonst so nirgendwo anders sieht. Man könnte das auch die Paid-Content-Illusion nennen.

Paic Content funktioniert ....

Paic Content funktioniert ....

Meist ist die Enttäuschung dann groß – wie in diesem Beispiel eines in die Jahre gekommenen Guckkastens auf dem Drachenfels.

... wenn die Inhalte stimmen

Warum es ausgerechnet jetzt zu einer Wiederbelebung der alten Paid-Content-Diskussion von vor zehn Jahren kommt, ist mir schleierhaft. Es hat sich nämlich noch kein neues Argument ergeben, dass einen anderen Ausgang als damals (= funktioniert nicht) wahrscheinlich macht.

Der Wegfall von Verlags- und Sendergeschäftsmodellen ist jedenfalls keines. Man sollte aus dem Web daher nicht ohne not einen Guckkasten machen.

Verlage und Verleger verhalten sich in Krisenzeiten wie Manager von Industrieunternehmen: Sie setzen auf klassische Sparprogramme, reduzieren die Personalkosten und hören ansonsten auf eine Horde von (wechselnden) Beratern, die häufig noch nicht einmal aus der Branche kommen.

Die Unternehmens- und Produktentwicklung wird damit aus der Hand gegeben, was fatal ist, weil der direkte Kontakt zu den Kunden = Lesern verloren geht. Wer aber nur in Form von – mehr oder weniger – verallgemeinernden Studien versucht, ein Gespür für die Wünsche der Kunden im Speziellen und die Medienentwicklung im Allgemeinen zu bekommen, begeht einen Fehler.

Problematisch ist auch die Rolle der Verbände, die zentrale Entwicklungsarbeit leisten möchten aber ebenso häufig wie die Verlage selbst, die Beharrungskräfte des alten Denken nicht durchbrechen können und Zukunft, wenn überhaupt, nur in einer linearen Fortschreibung bestehender Trends denken. Manche Treffen mit Vertretern des BDZV bestärken mich in dieser Meinung.

Heute hat der Weltverband der Zeitungen (WAN) per Pressemitteilung auf eine neue PwC-Studie zur Zukunft der Zeitungen aufmerksam gemacht, die zur „Power-of-Print-Konferenz“ (27. – 28. Mai in Barcelona) vorgestellt wird. Wobei allein schon der Name der Konferenz befremdlich wirkt. Warum heißt es nicht „Power of Journalism“?

Die Zusammenfassung der Studienergebnisse ließt sich entsprechend. Sie wärmt Themen und Thesen auf, die seit Jahren in dieser Form diskutiert werden und doch nie eingetreten sind:

Despite the huge potential for growth online, print remains the largest
source of revenue for newspaper companies, and will continue to be so for
some time.
Das blendet die aktuelle Lage der Zeitungen komplett aus. Und ist ein zweifelhafter Aufruf zum Weitermachen wie bisher.

- Consumers are willing to pay for online content. Two-thirds of respondents
in a global survey said they were willing to pay for general news content
online and all are willing to pay for it in print, despite the advent of
the free daily newspaper. But newspapers need to develop strategies for
monetising their content and intellectual capital.

Das Modell Pay-Content versucht man schon seit fast 10 Jahren herbeizubeten. Es ist die einzige unkreative Antwort auf den Medienwandel mit weltweit an nur einer Hand abzählbaren Beispielen.

- General consumer spending on the internet will increase in the next few
years, and this will change the mindset of consumers who are now expecting
to get everything for free. Wie oben ist hier der Wunsch Vater des Gedankens.

- Consumers don¹t only appreciate journalists for their general news
reporting they place high value on the deep insight and analysis provided
by journalists.
Ja und? Was folgt daraus?

- Traditional newspapers still have a strong and relatively loyal reader
base, as their reliability is perceived as being greater than that of other
media.  This gives newspapers the opportunity to lead and to follow
audiences as they use online and portable electronic media. The report found
that the core principles of deep analysis and trusted editorial translates
well online the newspaper brand is more important than the medium.

Ja, die Marke macht’s, ist ein weiteres Mantra, welches seit Jahren fortwährend wiederholt wird. Nur wird es dadurch nicht richtiger. Auch bei Autos glaubte man an die Kraft der Marke, bis vor ein paar Monaten.

- Newspapers have responded to the economic downturn by focusing on cost
reductions. Many are also accelerating content distribution strategies over
many channels. ³However, many have still to fully review their existing
business models to take full advantage of the innovation in the marketplace
and the demands of consumers,² the report says.
Was wollen uns diese Worte sagen?

- The market for mobile devices is growing rapidly. But mobile news delivery
is low on the list of consumer preferences because of the difficulty of
reading on the devices.

Wenn man sich vorstellt, dass ganze Zeitungsseiten auf dem Mobile Device gelesen werden, mag das stimmen. Nur neue (journalistische) Formen entstehen gerade und sind das Mittel der Wahl. Egal ob das nun Tweeds, Videos oder etwas anderes sind.

- Consumers and publishers alike are concerned about the environment and
attach high value to a publishing company using environmental friendly
practices. Some newspaper publishers have addressed the issue, but many have
not.

Umweltfreundlich ist das Drucken und das Verteilen von auf Papier gedruckten Informationen sicher nicht, das stimmt.

Mir liegt die gesamte Studie nicht vor, das muss ich einschränkend sagen. Aber diese Zusammenfassung macht zornig. Diese Studie führt nicht in die Zukunft. Dabei wäre es so einfach, sich über mögliche Szenarien zu informieren. Die allermeisten Informationen dazu sind im Web sogar kostenlos verfügbar und zwar nicht, weil sie von irgendwem verbotener Weise online gestellt wurden, sondern weil die Menschen, die sich Gedanken zum Thema machen, ihre Ideen selbst im Web veröffentlichen – ganz freiwillig.

Ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke für viele aus der Branche, ebenso wie die Idee, dass die Zukunft von Zeitungen nicht auf Zeitungskongressen besprochen wird, sondern auf Onlinekongressen – nur da sieht man die Vertreter der Zunft leider so gut wie nie.

Frühstück – Zeitunglesen, obwohl alles auch schon online ist. Manche lernen es nie, so wie ich. Doch das könnte sich vielleicht nach dem heutigen Tag ändern. Weil die Süddeutsche Zeitung an den Rand der Stadt Gesellschaft gezogen ist, glaubt sie, mich mit einem Berg sinnlos bedrucktem Papier zumüllen zu dürfen.

Nicht nur Online scheint Spam also ein gutes Geschäft zu sein. Denn auf sage und schreibe 56 Seiten Umzugsbeilage (Abschied und Aufbruch) feiert der Verlag seinen Umzug in ein neues Hochhaus „mitten in einem Gewerbegebiet, wo die Stadt München gerade beginnt, architektonisch und stadtplanerisch auffällige Akzente zu setzen“. Schöner als Chefredakteur Hans Werner Kilz in seinem Editorial kann man „wir ziehen in die Wüste“ nicht umschreiben. Und deshalb meutern er und seine Redaktion auch gegen diese Entscheidung, die gemütliche Innenstadt mit ihren guten Einkaufsmöglichkeiten zu verlassen.

Kilz, indem er Bürgermeister Ude mit den Worten „Wer aus der Sendlinger Straße, …, nach Steinhausen, also in ein städtebauliches Wildschweingehege umzieht, muss ein ziemlicher Depp sein“. Und die Redaktion übt den stillen Protest, indem sie eine fantasielose Beilage in buchstärke produziert, wie es sie selten gab. Ich lese einen Nachruf auf den Paternoster, letzte Worte, und einsame Texte über Hochhäuser, überflüssige Geschichten über das Arbeiten in Großraumbüros. Ja man nimmt mich sogar mit auf einen „Streifzug durch das Niemandsland“.

An dieser Stelle standen mir die Tränen in den Augen und ich bekam schreckliches Mitleid mit den Redakteuren der SZ, auch weil ich wusste, dass die Kollegen hier nicht freiwillig hingezogen sind. Sie wurden gezwungen und zwar vom grausamen Kapital wie Kilz schreibt: „Nun, wir sind nicht freiwillig gegangen. Wir mussten weichen. Wenn exzellente Innenstadt-Lagen „kapitalisiert“ werden, spielen Standortfaktoren wie Tradition, Urbanität und Nähe zum innerstädtischen Leben keine Rolle mehr.“

Was da wohl die Bürger Wildschweine aus Steinhausen sagen? Aber sie werden es „irgendwo zwischen S- und Autobahn, zwischen Handymast und Wertstoffhandel“ vermutlich nicht einmal merken, denn wer dort wohnt, liest keine so tollen Zeitungen wie die SZ. Schon gar nicht hat er die Nachbarschaft der Münchener Verlagselite verdient. Wenigstens ein Erste-Klasse-Abteil für die Redakteure und Verlagsleute in der U-Bahn hätte der MVV vorher einrichten können.

Ich für meinen Teil dachte bisher, dass die SZ die größte überregionale (mit der Betonung auf über) Tageszeitung in Deutschland mit internationalem Anspruch sei und es darum eigentlich egal ist, wo die Redaktion arbeitet.

Aber nun gut, wo ist jetzt bitte der versprochene Aufbruch geblieben? Vielleicht auf Seite 15. Da erklärt mir Autor Christian Krügel immerhin „die Quadratur des Kreises“ doch er beschreibt leider nur das Kästchendenken der alten Ressorts und Redaktionsstrukturen. Die kurzen Wegen zur Onlineredaktion haben nur Prio drei, das kann ich der Grafik beim Artikel entnehmen.

56 Seiten uninspiriertes Jammern, dass kann einem schon fast den Start in den Tag verderben. Zum Glück sind auch Anzeigen abgedruckt. Und das scheint ja in der Zukunft der einzige Sinn von Zeitungen zu sein, folgt man der Aussage dieser Beilage. Was zwischen den Anzeigen steht, ist dann auch egal. Viel Spaß im neuen Gebäude!

PS: Liebe Ureinwohner von Steinhausen, nehmt es den Redakteuren der SZ nicht krumm, sie leben in ihrer eigenen Welt, ihrem neuen Glaspalast und werden sich schon noch an euch gewöhnen.

Es gibt was „Neues“ aus dem Hause Blinkenlichten. Für 3 Sat Neues haben wir aktuell zur Buchmesse
einen Film produziert, der die Streitkultur auch jenseits von Gottschalk und R. Ranicki wieder
befördern soll: http://tinyurl.com/5wge4e

Etwas mehr Hintergrund zu unserem öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag findet ihr hier:

http://tinyurl.com/699ckt

Und wer meint, dass dieses Format jetzt häufiger, am besten regelmäßig bei 3SatNeues zu sehen sein soll,
der darf auch gerne den Sender mit einer Mail belästigen:

E-Mail: neues@3sat.de

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