Für mich haben die #panamapapaers direkt mit den Verschwörungstheorien zu tun, die das Netz bevölkern und über deren Häufigkeit und Hartnäckigkeit wir uns alle wundern. In der Welt geschieht etwas und „man“ versucht eine Erklärung dafür zu finden, das können dann im Zweifel auch die Chemtrails sein. Denn das, was geschieht, kann man sich nicht erklären. Es stellt sich aber nun heraus, dass die #panamapapaers vor deren Aufdeckung mit einem ähnlichen Wert auf der Hirngespinste-Skala eingeordnet worden wären, wie die Chemtrails. Oder anders rum: Es wäre als krasser Verschwörungstheoretiker geschimpft worden, wer vor der Aufdeckungen der papers Vermutungen über ein solches Netz angestellt hätte (was Chemtrails natürlich nicht plausibler macht aber die möglichen Verzweigungen von Verschwörung anzeigt).
#panamapapaers zeigen in erster Linie eine parallele, für den Bürger bisher weitgehend unsichtbare Machtstruktur, der sich die Menschen dennoch ausgesetzt fühlen und auch tatsächlich sind (weil aus der Struktur konkrete Einflüsse auf ihr Leben resultieren) ohne, dass sie sich das bisher erklären konnten. Von daher wurde mit diesem Leak tatsächlich auch eine Art Verschwörung aufgedeckt. Und zwar eine aus vielen Einzelinteressen der Macht und des Geldes, die sich in Knoten wie Mossack Fonseca bündeln.
Die Übergänge von einwandfrei über moralisch fragwürdig, zu korrupt und schwer kriminell sind dabei fließend. Nicht jedes offshore Geschäft ist illegal aber fast jedes illegale Geschäft wird offshore geregelt. Von den CumEx-Deals über den Fifa-Skandal bis hin zu den Ursachen der Finanzkrise haben wir uns leider an die ans Tageslicht kommenden Verwerfungen gewöhnt, nun wird ein Teil der dahinter liegenden Struktur sichtbar.
Dabei sollte jedoch Vorsichtig sein, wer vorschnell mit dem Finger auf andere zeigt. Wer mehr Geld hat oder verdient, hat eben auch mehr zu verstecken – braucht eben andere Werkzeuge. Wer kriminell erlangtes Geld hat, für den scheiden legale Möglichkeiten eh aus. Der lohnsteuerzwangszahlende kleine Mann, die kleine Frau aber üben sich derweil im Versicherungsbetrug bei der Haftpflicht oder der Schwarzarbeit. Wie oft wurde ich schon von Handwerkern gefragt: “Brauchen sie eine Rechnung?” Auf diese Frage mit “Ja” zu antworten, scheint nicht die Regel, wie man an der Verwunderung oder gar der Verärgerung der Handwerker leicht feststellen kann.
Keiner ist eben vollkommen (ehrlich) und das mag sogar gut sein – nur: Die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft, das meint: eines Gemeinwesens bemisst sich immer am Grad der Bereitschaft, doch eben zu einer Art Teilehrlichkeit bereit zu sein sowie an den Mitteln des States (und der Bereitschaft der Amtsträger), die Ansprüche der Gemeinschaft auch durchzusetzen. Bei uns und in wenigen anderen europäischen Ländern freuen wir uns über das Ergebnis eines funktionierenden Staates durch eine relativ hohe Quote der Teilehrlichkeit. In vielen anderen Ländern der Erde (wenn nicht gar in den meisten) klappt das mehr oder weniger nicht bis gar nicht. Diese Länder funktionieren dann schlecht oder überhaupt nicht und am Ende kommen die Maden in Form von Verbrecherorganisationen, Kriegstreibern und Waffenhändlern (die sich eben auch jener jetzt beschriebenen Struktur bedienen), um die Länder und das was noch von ihnen übrig ist, auszuweiden.
Was ihnen dann oft relativ gefahrlos gelingt, weil sie durch die Unsichtbarkeit der Struktur geschützt sind, weil sie z.B. über Banken an den legalen Kreislauf anknüpfen können und weil für die Folgen (mal mehr mal weniger bereitwillig) der Rest der Gemeinschaft im betroffenen Land oder außerhalb, z.B. in Form von Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder höherer Steuern aufkommt. Vermutlich wird sich das auch nicht ändern. Aber wenigstens gibt es Dank des Internet mehr Möglichkeiten, für Transparenz zu sorgen und Strukturen zu verschieben, anstatt der Idee von Chemtrails nachzuhängen.

In meinen Augen ist „Kampf gegen den Terror“ die falsche Metapher. Gewalt führt zu Krieg führt zu Gewalt. Terror ist dem Begriff nach etwas Abstraktes. Wer dagegen kämpfen will, muss den Begriff operationalisieren, „Ziele benennen“ und kämpft damit zwangsläufig gegen Menschen oder Staaten, was dann eben zu weiterer Gewalt führt. Wir haben jetzt bald 15 Jahre diesen Weg beschritten, sind aber keinen Schritt im Sinne unserer Ziele weitergekommen.

Im Gegenteil: Wir stehen vor einem großen Trümmerhaufen dieser Politik und vielen gescheiterten Staaten, aus denen neuer Terror entsteht. Weltpolitik auf der Ebene der Vereinten Nationen ist nicht mehr handlungsfähig. Stattdessen erleben wir eine immer breitere Ausdifferenzierung von Gewalt und Krieg – nicht zu letzt mit und auf dem Rücken von Flüchtlingen. 

Kampf gegen den Terror ist die falsche Metapher, weil sie erst auf der zweiten Ebene ein positives Ziel kommuniziert (Aufrechterhaltung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten).

Kampf gegen den Terror ist die falsche Metapher, weil sie Grenzen zieht und Gegner schafft anstatt auf Versöhnung gerichtet zu sein. Kampf gegen den Terror beginnt, staatliches Handeln auf allen Ebenen zu dominieren, so weit darf es nicht kommen.

Wir sollten stattdessen ein Eintreten für eine gerechte, friedliche Welt kommunizieren und Kriegsrhetorik außen vor lassen.

Wir feiern den 60. Geburtstag der Bundeswehr und wünschen ihr weiter viel Glück. Wir freuen uns auch, dass es innerhalb deutscher Grenzen immer friedlich blieb in dieser Zeit und trauern um die Gefallenen, die im Ausland ums Leben kamen. Wir haben uns diesen Frieden aber auch mit einer einzigartigen Förderung der Rüstungsindustrie erkauft. (mehr …)

Alphabet

Volkswagen das Auto, Apple der Computer, McDonalds „ich liebe es“ und nun auch Troll das Getränk und das Google Alphabet.

Anstatt selbst unverwechselbare Eigennamen zu ersinnen oder griffige Typenbezeichnungen, bedienen sich Unternehmen bei der Benennung ihrer Produkte oder Sparten mehr und mehr am allgemeinen Wortschatz. So weit so gut. Schließlich ruft ein gekonnt gewählter Name gutmeinende Assoziationen im Sinne der Firma hervor.

So weit so schlecht. Schließlich werden die genutzten Bergriffe und Redewendungen von der allgemeinen, rechtefreien Nutzung mehr oder weniger stark ins Privateigentum überführt und sind von da an nur noch eingeschränkt nutzbar.

Selbst wenn für den Privatmensch auch zukünftig keine Nutzungsgebühren für Wörter wie „das Auto“ oder Redewendungen wie „ich liebe es“ anfallen dürften, so findet doch eine Bedeutungsverschiebung statt.

Wer nur ausreichend dem Werbedruck ausgesetzt ist, wird bei „ich liebe es“ fortan immer den schlechten Geschmack einer Hackfleischbulette auf der Zunge spüren. Man mag sich dazu entsprechende Bilder ausmalen, in denen man das einfach nicht will. „Ich liebe es wie du …. „. Nein, ich möchte nicht darüber nachdenken müssen, in welchem Kontext ich Begriffe nutze und wo sie vielleicht unpassend wirken, weil sie auf immer von einer Werbebotschaft überlagert werden.

Doch seit heute gehört auch der Begriff Alphabet zur Gruppe jener Vokabeln, die kaum noch einsetzbar sind, ohne dass im Hinterkopf eine Markenbotschaft aufleuchtet. So ist es gewollt aber so sollte es nicht sein. Denn für mich ist das eine unzulässige Enteignung von sprachlich / kulturellem Allgemeingut.

Es verhält sich quasi umgekehrt zur Diskussion der Panoramafreiheit, wo Urheber fordern, dass in der Öffentlichkeit installierte, urheberrechtlich geschützte Werke oder Gebäude nicht mehr ohne weiteres ohne Gebühr abgebildet werden dürfen.

Doch weil das so ist, sollten wir dazu übergehen, von Unternehmen in einem solchen Fall der Entlehnung von Firmen- oder Produktbezeichnungen Lizenzgebühren zur Zahlung an die Allgemeinheit der Sprecher einer Sprache zu fordern und wir sollten es nicht hinnehmen, dass der Sprache Wörter, Begriffe und Redewendungen entrissen werden und fortan nur noch eingeschränkt nutzbar sind oder dass deren Bedeutung entstellt wird. Wir dürfen die Rechte an unserer Sprache nicht herschenken!

So Leute, hier das Wort zum Montag: statt den Saudis und den andren Ölländern immer mehr Waffen zu liefern, damit sie ihren Reichtum verteidigen können, würde ich sie zwingen, ihren Reichtum zu teilen und den Menschen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu helfen – denn dann hätten sie weniger Feinde und bräuchten gar keine Waffen. Aber so wird das nix.

Und den Papst würde ich bitten, statt zu reden, auch mal zu handeln: Möge er bitte ein Schiff mit Mannschaft kaufen und ins Mittelmeer senden, sein Vorgänger im Amt (der, den er vorgibt zu vertreten) hat schließlich auch gehandelt. Und anders als Jesus hat der Papst sogar ausreichend Geld.

Ursula von der Leyen, Kai Diekmann during DLD15 FOCUS Nightcap . Foto: Hubert Burda Media / BRAUER PHOTOS, (CC BY-NC-SA 2.0)

Ursula von der Leyen, Kai Diekmann during DLD15 FOCUS Nightcap . Foto: Hubert Burda Media / BRAUER PHOTOS, (CC BY-NC-SA 2.0)

Über das WEF in Davos rege ich mich jedes Jahr aufs neue auf. Warum? Ganz einfach: Wir (als Bürger und Wähler) bekommen jedes Jahr erneut die Asymmetrie der Macht vorgeführt. Wir erleben den ungehinderten, unmittelbaren und ungestörten Zugriff der Eliten auf die Entscheidungsträger der Politik.

Diese Art Erstzugriffsrechts der Mächtigen auf die Macht ist in meinen Augen unzulässig, weil der Bürger nicht über diese Kommunikationskanäle verfügt und seine Interessen nicht auf diese Weise vertreten kann.

Sehr schön dokumentiert ist dieser Sachverhalt in der Serie von Pressefotos, die Hubert Burda Media dankenswerter Weise veröffentlicht hat. Wir sehen den Chef der Commerzbank mit Innenminister Thomas de Maizière auf einem Bild oder Ursula von der Leyen lächelnd neben Kai Diekmann und und und.

Man ist vergnügt, stellt sich den Fotografen und unterhält sich bestens: Nur: In Davos werden eben leider nicht die Probleme der Welt gelöst – wie die Veranstalter behaupten – sondern die eigenen Interessen vertreten, dazu noch in sehr angenehmer Umgebung.

Zwar sind auch NGO und Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, die mit an der Lösung der Probleme der Welt arbeiten sollen, aber noch nie ist mir eine Krise, ein Konflikt oder politisches Problem aufgefallen, was auf dem WEF erkennbar konstruktiv diskutiert oder gelöst wurde.

Ungleichverteilung auf der Welt nimmt zu

Im Gegenteil: Die Ungleichverteilung auf der Welt nimmt zu und die Probleme nicht ab. Erst in diesen Tagen hat Oxfam berichtet, dass bald 1 Prozent der Weltbevölkerung mehr besitzt als der ganze Rest. Und ein Teil dieser Menschen aus den 1 Prozent trifft sich wo? In Davos!

Der Journalist Henry Blodget gehört zum Zirkel der handverlesenen Medienschar. Er berichtet über

„rarified resumes and colossal wealth and power of most Davos attendees“

und berichtet von den Netzwerken der Teilnehmer und den privaten Partys, zu denen er so gerne auch Zugang hätte.

Er schildert den gelösten Umgang miteinander wenn man bei einem guten Getränk beisammen steht:

There was a bar made of snow blocks, and a couple of outdoor fires, and the CEO of the massive global corporation was there with me, bouncing up and down to keep warm, doing vodka shots and making fun of my hat (which is indeed ridiculous, but also importantly warm). The CEOs of other massive global corporations were there, too.  So was a former prime minister. And a finance minister. And the head of a major global investment bank. And Will.i.am. Etc. … Davos truly is the Super Bowl of Schmoozing.

Nun ja, natürlich ist das die Meinung von einem Outsider und vielleicht haben wir dem WEF sogar zu verdanken, dass nicht noch schlimmere Dinge passieren. Nur frage ich mich, was das in Anbetracht der derzeitigen Lage noch sein könnte.

Steffi Czerny (DLD Media) during the Digital Life Design (DLD) Conference  Foto: picture alliance für DLD

Steffi Czerny (DLD Media) during the Digital Life Design (DLD) Conference
Foto: picture alliance für DLD

Winter 2005, München liegt tief verschneit (ja, „damals“ gabs das noch, diesen Schnee) und ein Häufchen unerschrockener und wagemutiger Digitalpioniere aus aller Herrn Länder macht sich auf nach München. Wie die Ritter der Tafelrunde treffen sie sich auf Geheiß des Fürsten Burda auf Schloss Nymphenburg, um dort gemeinsam zu beratschlagen, wie man den heiligen digitalen Gral wohl finden könne.

Herolde weit entfernter Königreiche treffen ein, um von den neusten Spuren zu berichten. Ich kann mich an z.B. gut an Caterina Fake, die Mitgründerin von Flickr erinnern. Und ich weiß noch genau, dass ich in der ersten Reihe neben Hubert Burda saß, der eine jegliche Spur, die ihn zum Gral führen könnte, in sein Notizbüchlein mit seinen fürstlichen Initialen drauf notierte. Und es wurden noch Magazine verteilt, lang ist es her.

10 Jahre später

Und nun haben wir 2015, der DLD ist eine eigene Firma und hat viele Ableger bekommen. Das Publikum wurde immer anzugiger, Blogger sah man nur noch selten. Ganze Legionen an hochkarätigen Frauen und Männern haben in den letzten 10 Jahren die Bühne bevölkert. Sprachen über das Netz aber auch über Kunst und Kultur. Das Bestreben, den Blick zu weiten auf der Suche nach dem Gral, war und ist erkennbar. Ich persönlich kann mich an den Auftritt von Ai Weiwei erinnern, da war er in Deutschland noch unbekannt aber schon in München dabei, oder an Shai Agassi, der seine Vision der Elektromobilität vor allen anderen dort erklärte.

Ja, und ich bedauere, nicht mehr dabei sein zu können – es gab immer so viel Inspiration und Geselligkeit. Und ganz ehrlich: Die Menschen, die dort Jahr für Jahr hinpilgern, sie hätten alles wissen können. Sie hätte vielleicht den Gral nicht finden können aber ihm verdammt nahe kommen können. Denn es waren immer alle da, die später groß geworden sind. Die Startups und Spinner, die Nerds und die Investoren, die Künstler und Chaoten.

LSR statt Innovation

Und was haben sie drauß gemacht? So weit ich das beurteilen kann – nicht viel. Nicht für den Standort Deutschland als digitales Wirtschaftswunderland jedenfalls oder Europa – denn schließlich denkt man europäisch in München. Stattdessen haben wir als Innovation ein Leistungsschutzrecht bekommen, für das Herr Burda persönlich gekämpft hat (stand das in seinem Notizbuch? und eine Diskussion über eine mögliche Zerschlagung der Webgiganten (die, als sie noch klein waren, sich ja auch in München trafen).

Burda war es schließlich auch, der den Begriff der „Lousie Pennies“ geprägt und an den DLD geheftet hat, während andere mit ihren Geschäftsmodellen mal eben die Welt erobern, kein Zufall wohl, dass in diesem Jahr Uber zu Gast in München ist.

Ich frage mich langsam, wie man selbst eine solche Veranstaltung ins Leben rufen kann und in den ganzen Jahren ihres Bestehens so wenig lernt. Vielleicht haben die Verleger, Politiker und Investoren gedacht, dass es sich beim DLD um eine Unterhaltungsveranstaltung handelt, die sie im Grunde nicht betrifft. Vor ihren Augen hat sich die Welt verändert und sie haben es nicht bemerkt. Vielleicht typisch dafür, dass es in der aktuellen Pressemitteilung heißt „Die digitale Revolution steht noch bevor“. DLD-Gründerin Steffi Czerny erklärte laut der Mitteilung in ihrer Auftaktrede: „Die wahre digitale Revolution hat noch gar nicht stattgefunden – sie beginnt jetzt. Es gibt keinen Grund, sich davor zu fürchten. Wir können die Zukunft und die digitale Revolution selbst gestalten.“ Ach so!

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