August 2008


Die Chinesen haben es geschafft. Haben uns eingelullt, überzeugt, begeistert, gleichgeschaltet. Sie haben wie geplant die meisten Medaillen gewonnen und die perfekten Spiele auf die Beine gestellt. Die Inszenierung war sogar so perfekt, dass sie mit ihrem gescheiterten 110m-Hürdenstar Liu Xiang auch noch einen gescheiterten Helden im Programm hatten. Ganz schön menschlich.

Ein perfektes Programm also, das rund um den Globus in Million Sendeminuten verbreitet wurden. Die Milliarden für die Vorbereitung waren aus Sicht Chinas optimal investiert.

Und wo waren die kritschen Sportler und renitenten Politiker, die sich im Vorfeld so künstlich aufgeregt haben. Sie waren nicht im Bild, sie waren nicht da, es gab sie gar nicht. Mehr Jubel war selten und wir gönnen es den Chinesen doch auch!?

Die Bösen sind schließlich die anderen. Die Russen z.B., die mit dem Krieg in Georgien für die einzigen Negaitvschlagzeilen während der letzten zwei Wochen gesorgt haben.

Und Tibet? Wieviel Medaillen haben die eigentlich geholt?

Wir leben in merkwürdigen schlimmen Zeiten: Wir lassen uns von sog. Dienstleistern wie der Bahn oder Post entmündigen und uns zu Sklaven ihrer Automaten machen und zahlen sogar noch dafür. Wir lassen uns in unserer Intelligenz von ihren Automatendesignern erniedrigen und sind nicht mehr in der Lage, selbständig eine Fahrkarte am Bahnhof zu kaufen. Wir passen uns dem Automaten an oder versagen!

Deshalb nehmen uns freundliche Bahnbedienstete an die Hand und führen uns durch die Menüs ihrer blechernen, sprachlosen Kisten. Und wer dennoch Angst hat, am Automaten zu scheitern, der kann jetzt einen Kurs bei der Volkshochschule Dortmund in Bahnkartenautomatenbedienung belegen. Wir kommen ohne diese Hilfe sonst nicht mehr von A nach B. Unfassbar!


Automatenschulung Deutsche Bahn
Auf vielen Bahnhöfen und Bahnstationen besteht keine Möglichkeit mehr, die Fahrkarten am Schalter zu erwerben oder eine persönliche Auskunft über Zugverbindungen zu erhalten. Auch wenn die Fahrkartenschalter nachts oder an Feiertagen geschlossen sind, ist man auf Automaten angewiesen. Nicht nur diejenigen, die der modernen Technik eher skeptisch gegenüber stehen, auch in der Regel technisch versierte Bahnreisende verzweifeln häufig bei der Bedienung des Automaten – besonders dann, wenn noch Zeitdruck dazu kommt. Man gerät dann schnell in Hektik: Welche Taste ist zu drücken? Wie komme ich am besten von Dortmund nach Lünen? Wann fährt der nächste Zug von Köln nach Düsseldorf? Wie kaufe ich eine Verbund-Monatskarte?

Diese und weitere Fragen beantwortet Ihnen der neue VHS-Kurs. Er bietet die beste Gelegenheit, zusammen mit einem Experten am Automaten zu trainieren: unterschiedliche Tarife, Strecken, Vergünstigungen können eingegeben werden, wenn man weiß, wie. Nach dem Kurs sind Sie in der Lage, das Beste aus dem Automaten „herauszuholen“, Fahrkarten schnell und unkompliziert auszudrucken, sich die günstigsten Zugverbindungen anzeigen zu lassen und Platzreservierungen vorzunehmen. Nah- und Fernverkehrsautomaten werden für Sie dann keine Geheimnisse mehr sein!

Der Referent, Dirk Haferkemper, ist Empfangschef im Reisezentrum Dortmund Hbf. Wir treffen uns mit ihm zu Beginn des Kurses im Gebäude der Volkshochschule, Hansastr. 2-4 und werden uns nach einigen einführenden Erläuterungen zu Fuß zum Hauptbahnhof begeben, um direkt am DB Automaten die frisch erworbenen Kenntnisse in der Praxis zu testen.

Automatenkauf ist Demütigung und psychische Gewalt. Wer nicht so funktioniert, wie es der Automat verlangt, wird als der einsamste Mensch vor der Kiste stehen und Gewaltphantasien in sich aufsteigen fühlen, weil er körperlich spürt, wie er versagt hat.

Automatenkommunikation ist nicht interaktiv, wer das vielleicht meint. Der Automat reagiert nie auf uns, nur wir reagieren auf den Automaten und deshalb ist der Umgang mit Automaten eine Diktatur der Maschine über den Menschen

Wehret den Anfängen, lasst euch nicht zu Plugins eines Fahrkartenautomaten machen, sonst dürft ihr bald noch die Kurse: Paketstation, Lufthansa-Checkin und Telekom-Call-Center machen, um überhaupt noch im Leben klar zu kommen. Verlangt echte Menschen, seid stolz auf die wichtigste Errungenschaft des Menschen – die Sprache! Kommuniziert, redet, sprecht, verweigert den Maschinen den Gehorsam!

Hinweis gefunden bei: leralle

Der Eimer des Losverkäufers auf der Kapitalmarktkirmes ist randvoll mit Losen gefüllt. „Jetzt zugreifen meine Damen und Herren! Verpassen Sie nicht den Hauptgewinn! Zehn Lose nur 50 Millionen Dollar!“, schreit er über den Platz. Ausgelassen greifen die Besucher zu. Die Subprimelose gehen weg wie nix. Der Eimer ist doch voller Gewinne, so glaubt man.

Das ist Vergangenheit, die Kirmes inzwischen abgebaut, der Festplatz wirkt leer und traurig. Auf dem Boden liegen die alten Loszettel: „Niete, leider verloren“ ist auf der Innenseite zu lesen.

Auch die Banker der IKB hatten die Taschen voller Lose und es verschlägt einem wirklich den Atem. Man fragt sich, worüber man sich mehr aufregen soll. Über die Gier oder Ahnungslosigkeit der Banker, über das Stillhalten der Politik, das Versagen der Finanzaufsicht oder über die Art und Weise, wie die jetzt IKB auf Kosten der Allgemeinheit durch den Verkauf an einen Investor abgewickelt wird. Der größte Skandal bei diesem Thema ist für mich, wie dreist dabei die parlamentarische Kontrolle ausgehebelt und umgangen wird.

Bisher dachte ich, wir leben in einer funktionierenden Demokratie. Aber es kommen langsam Zweifel. Milliardenbeträge, über deren Bewilligung es sonst tage-, wochen-, oder gar monatelangen Streit gibt, werden hier einfach auf Kosten des Bürgers verfügt. Mit der KfW hatte man ja ein Vehikel, das von keinem Parlament wirkungsvoll kontrolliert wird.

Jeder von uns übernimmt nun ein Teil des Risikos für diese Bankpleite ohne auch nur die entfernteste Aussicht zu haben, an einem möglichen Erfolg dieser Investition zu partizipieren. Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass nach dem beschlossenen Verkauf auch noch gemauert und vertuscht wird und keine Partei auch nur ernsthafte Anstrengungen unternimmt, wenigsten für Aufklärung zu sorgen? Rechenschaft zu fordern und Konsequenzen zu ziehen.

Die Banker sind derweil weiter ganz unbekümmert: „Egal, wir hatten doch unseren Spaß. 10 Milliarden Euro auf Kosten des deutschen Steuerzahlers auf der Kirmes verballert? Scheißegal! Es fragt doch keiner und unser Gehalt oder eine schöne Abfindung bekommen wir doch obendrauf.

Die Stadtkämmerer der Republik sollten heute aufmerksam das Handelsblatt lesen. Schließlich fühlen sich viele von ihnen ja als Unternehmer und sollten informiert sein, was in der Welt der Wirtschaft passiert. Dort ist direkt auf Seite 1 beschrieben, wie es einem ergehen kann, wenn man einen Großteil seiner beleihungsfähigen Vermögensgegenstände verkauft hat.

Wir lesen: Karstadt erneut Sanierungsfall. Um die Warenhauskette zu entschulden hatte Arcandor Konzernchef Thomas Middelhoff das Gesamtpaket seiner Häuser im Wert von 4,5 Mrd. Euro im Frühjahr an Finanzinvestoren verkauft, berichtet die Zeitung. Anfang des Jahres 2007 hatte er bereits die finanzielle Rettung es Unternehmens verkündet. Doch das war wohl voreilig. Die Aktie ist mittlerweile von 29 Euro im April 2007 auf unter 6 Euro gefallen.

Nun wird es schwierig für das traditionsreiche Kaufhaus, denn Banken tun sich mit der Finanzierung schwer, wenn man nur noch wenig Sicherheiten bietet. Und das gilt im Zeichen dieser üblen Finanzkrise umso mehr.

Dummerweise war die Vorgehensweise von Karstadt so etwas wie die Blaupause für viele Gemeinden. Düsseldorf und andere sind mächtig Stolz auf den Status „wir sind schuldenfrei“. Doch auch die Schublanden mit dem Tafelsilber sind leer. Die vormals der Allgemeinheit gehörenden Immobilien und Unternehmen wurden verkauft und ab diesem Zeitpunkt laufen die Geldströme über Mieten und andere Zahlungen in Richtung der Investoren.

Doch wer sich nicht wirtschaftlich verhält und rentabel wirtschaftet, dem nützen auch die Geldspritzen durch liquidiertes Eigentum nichts. Kann sein, dass es einigen Städten bald wie Karstadt geht – also Stadtkämmerer aufgepasst!

Südossetien, Abchasien, Dagestan – die Namen der Länder, Städte und Gebiete des Kaukasus hören sich an wie Fantasiestaaten und die Nachrichten vom Krieg lesen sich wie die Erzählung „Der Winterkrieg in Tibet“ von Dürrenmatt. Die wenigsten von uns können die Region auf einer Landkarte sicher finden, nur von Tschetschenien hat man schon gehört und dem Krieg. Lange drangen die Nachrichten aus der Region nicht mehr in unsere Wahrnehmung vor.

Und nun, wo eigentlich nur Olympia die Schlagzeilen bestimmen soll, fängt dieser Krieg an und stört beim Zählen der Medallien. Die Medien tun sich plötzlich schwer mit der Gewichtung. Man fühlt fast die Gewissensnot in den Redaktionen: Olympia als Aufmacher, ist das überhaupt möglich? Bislang galt doch, dass während der olympischen Spiele die Waffen schweigen.

Doch selbst über diese einfache der nur noch wenigen verbliebenen Regeln des zivilen Zusammenlebens setzen sich die Kriegsparteien mit grenzenlosem Zynismus und roher Gewalt hinweg.

Es ist kaum zu glauben. Der Einsatz für die Freiht der Tibeter passte noch ins politische bzw. mediale Konzept aber nicht dieser Krieg. Wir werden schlicht vorgeführt von einem eiskalten Putin oder von einem Saakaschwili, der sich verschätzt hat. Wer kann schon den Schuldigen benennen?

Aber es sagt viel über den Stand unserer Zivilisation aus und die Macht und den Einfluss von Politik, von internationalen Gremien und Organisation, wenn auch nur eine Seite mächtig genug ist und Willens, Gewalt anzuwenden. Uno, Nato, EU, … noch nicht einmal Papiertiger, von wegen friedliche Vernetzung in einer globalen Welt.

Und so bleibt den Medien und der Bewußtsein schaffenden Industrie nichts weiter übrig, als die Ereignisse, die nicht allzufern von uns ablaufen, in die normalen industriellen Prozesse ihrer Redaktionen zu werfen und routinemäßig zu verarbeiten. Wir sind betroffene Zuschauer, etwas verunsichert zwar aber doch froh über die Meldung über die 6. Goldmedialle, die noch über den Schlagzeilen vom Krieg im Kaukasus stehen.

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