Südossetien, Abchasien, Dagestan – die Namen der Länder, Städte und Gebiete des Kaukasus hören sich an wie Fantasiestaaten und die Nachrichten vom Krieg lesen sich wie die Erzählung „Der Winterkrieg in Tibet“ von Dürrenmatt. Die wenigsten von uns können die Region auf einer Landkarte sicher finden, nur von Tschetschenien hat man schon gehört und dem Krieg. Lange drangen die Nachrichten aus der Region nicht mehr in unsere Wahrnehmung vor.

Und nun, wo eigentlich nur Olympia die Schlagzeilen bestimmen soll, fängt dieser Krieg an und stört beim Zählen der Medallien. Die Medien tun sich plötzlich schwer mit der Gewichtung. Man fühlt fast die Gewissensnot in den Redaktionen: Olympia als Aufmacher, ist das überhaupt möglich? Bislang galt doch, dass während der olympischen Spiele die Waffen schweigen.

Doch selbst über diese einfache der nur noch wenigen verbliebenen Regeln des zivilen Zusammenlebens setzen sich die Kriegsparteien mit grenzenlosem Zynismus und roher Gewalt hinweg.

Es ist kaum zu glauben. Der Einsatz für die Freiht der Tibeter passte noch ins politische bzw. mediale Konzept aber nicht dieser Krieg. Wir werden schlicht vorgeführt von einem eiskalten Putin oder von einem Saakaschwili, der sich verschätzt hat. Wer kann schon den Schuldigen benennen?

Aber es sagt viel über den Stand unserer Zivilisation aus und die Macht und den Einfluss von Politik, von internationalen Gremien und Organisation, wenn auch nur eine Seite mächtig genug ist und Willens, Gewalt anzuwenden. Uno, Nato, EU, … noch nicht einmal Papiertiger, von wegen friedliche Vernetzung in einer globalen Welt.

Und so bleibt den Medien und der Bewußtsein schaffenden Industrie nichts weiter übrig, als die Ereignisse, die nicht allzufern von uns ablaufen, in die normalen industriellen Prozesse ihrer Redaktionen zu werfen und routinemäßig zu verarbeiten. Wir sind betroffene Zuschauer, etwas verunsichert zwar aber doch froh über die Meldung über die 6. Goldmedialle, die noch über den Schlagzeilen vom Krieg im Kaukasus stehen.

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