Oktober 2008


Ich gebe zu, ich bin wohl etwas zu Naiv, um alle Winkelzüge zu verstehen, die Deutschlands bekanntester Banker derzeit anstellt. Aber eines habe ich mittlerweile begriffen: Ackermann ist der schlauste Fuchs von allen. Wie er sich hinstellt und streut, dass er sich schämen würde, wenn er das Rettungspaket in Anspruch nehmen müßte, ist wirklich an Abgezocktheit, Skrupellosigkeit und Berechnung nicht mehr zu überbieten.

Er hat damit alle, die bei den Verhandlungen mit am Tisch saßen und gemeinsam mit ihm das Paket beschlossen haben, so richtig an der Nase herumgeführt. Und zwar nicht nur die Vertreter der Politik sondern auch seine am Fliegenfänger hängenden Vorstandskollegen von den anderen Instituten. Die werden sich jetzt bedanken, denn er hat sie einfach im handumdrehen matt gesetzt und Ackermanns Schachzug kommt sie teuer zu stehen.

Wie das zu interpretieren ist, beschreibt Prof. Uhlig in seinem Blog auf Handelsblatt.com: „Ackermann hat getan, was er tun musste.  Er hat betont, daß die Deutsche Bank die Staatshilfen nicht braucht und auch in der Krise noch gut verdient hat.  Der emotional gefärbte Hinweis auf das “Schämen” bei der Annahme der Staatshilfe war vielleicht überflüssig, dennoch: die Aktienmärkte reagierten erleichtert auf seine Aussagen, der Kurs der Deutschen Bank ging nach oben.  Zur Erinnerung: Ackermann arbeitet für die Deutsche Bank und ihre Aktionäre.  Er hat also das Richtige getan – aus Sicht der Deutschen Bank.“

Eben, doch das ist in mehrfacher Hinsicht nur die halbe Wahrheit. Denn es nutzt der Deutschen Bank nur auf kosten der anderen Banken und der Allgemeinheit. Und wenn die Angaben von Werner Rügemer im Telepolis-Interview stimmen, dann hat die Bank von Herrn Ackermann längst hinten herum selbst Staatshilfe in Anspruch genommen.

Von daher: Ackermann sollte sich wirklich schämen.

PS: das Rügemer-Interview ist das Beste, was es bisher zum Thema Finanzkrise in Deutschland zu lesen gab.

Nur mal ganz am Rande. Ist die Finanzkrise nicht auch ein Beweis für das spektakuläre Scheitern einer Idee Namens Schwarmintelligenz. Also der Vorstellung, dass es so was wie ein kollektive Intelligenz gibt und dass „spezifische Handlungen von Individuen intelligente Verhaltensweisen des betreffenden „Superorganismus”, d. h. der sozialen Gemeinschaft, hervorrufen können“ wie es in der Wikipedia so schön beschrieben wird?

Müßten nicht die einzelnen Akteure an den Finanzmärkten, die ja über Realtime-Systeme nahezu ohne Zeitverzug miteinander Informationen austauschen zu vernünftigen Entscheidungen kommen, wenn es so etwas wie Schwarmintelligenz wirklich gäbe?

Aber kann sein, dass ich hier was verwechsle und die Finanzmärkte so rein gar nichts mit Intelligenz zu tun haben, sondern nur mit Gier und Spekulation. Wenn man sich die Bewegung der VW-Aktie in den letzten Tagen anschaut, kann man jedenfalls zu diesem Schluss kommen.

Auf jeden Fall gilt: Die Börsenkurse an sich sind derzeit ohne Aussage über den Wert eines Unternehems oder die zu erwartenden Zahlungsströme. Die Kurse, bzw.ihre Schwankungsbreite sagen momentan nur noch etwas über das enthaltene Maß der Spekulation aus.

Eigentlich, so möchte man meinen, eigentlich ist die derzeit vor unseren Augen ablaufende Finanzkrise ein perfektes Spielfeld für Blogs. Unabhängige Journalisten, freie Berichterstatter und Experten könnten sich jetzt hervortun durch eine unbeeinflusste und unabhängige Berichterstattung. Denn in diesem Kontext ist augenblicklich einfach alles interessant, nicht nur die großen Zusammenhänge, sondern auch die Details.

Leider ist davon bislang wenig zu zu sehen. Wäre das Thema im Web angekommen, müßten die Blogcharts in diesen Zeiten ganz anders aussehen. Neue Blogs und Autoren? Fehlanzeige! Die Berichterstattung spielt sich fast ausschließlich in den klassischen Medien ab.

Und selbst dort lässt man die Möglichkeit, den Leser über eigene Blogs oder bloggende Gastautoren noch besser zu informieren, weitgehend ungenutzt.

Das Handelsblatt hat immerhin Harald Uhlig, in meinen Augen bislang der einzige Ökonom, der ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Lage kommentiert hat und dafür zunächst den Saft abgedreht bekam. Doch nun schreibt er wieder und hätte viel mehr Aufmerksamkeit verdient, denn er findet erneut klare Worte. Auch Frank Wiebe und Prof. Grüner bloggen für das Handelsblatt aber sie sollten viel aktiver sein. Das Blog von Chefredakteur Bernd Ziesemer ist leider auf dem Stand vom 27.8., obwohl gerade er ja in seinen Kommentaren für die Zeitung durchaus klar Stellung bezieht.

Ganz mau sieht es bei der FTD aus. Während die Redaktion zu den Olympischen Spielen in China noch ein Blog auf die Beine gestellt hat, verlegt man sich zum Thema Finanzkrise auf das Tickern. Und auch das Manager Magazin und die Wiwo verhalten sich viel zu passiv mit ihren Versuchen, zur Finanzkrise in ihren Blogs Stellung zu nehmen.

Und was passiert in den deutschen Paradeblogs? Leider auch viel zu wenig. Bei Rivva schaffen es die Einträge rund um die Finanzkrise nicht über die Sichtbarkeitsschwelle.

Der Spiegelfechter und die Nachdenkseiten beschäftigen sich intensiv mit den Finanzmärkten, und Basic Think findet den Dreh zu den Werbemärkten. Der Rest bleibt mehr oder weniger bei der alten Agenda.

Was leider zum Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Michael Haller passt: „Soweit ich es sehe, ist unter tonangebenden Bloggern unstrittig, dass die gesamte Newsarbeit auch für die Blogwelt von den journalistischen Mainstreammedien geleistet wird.“ (message 4/2008; S. 17). Und weiter: „Unter diesem Blickwinkel steht die These von der bloggigen Gegenöffentlichkeit auf einem sehr wolkigen Podest, “ schreibt der Journalistik Professor.

Ich finde, man müßte jetzt drangehen, ihn zu widerlegen. So eine „Chance“ gibt es so schnell nicht wieder.

Das ist ja lustig, Alan Greenspan, der Ex-US-Notenbankchef hat uns die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Er war auch nicht schlauer als wir! Im Kreuzverhör vor einem Ausschuss des US-Repräsentatenhauses gestand Greenspan nun: Keine Aufsichtsbehörte sei klug genug, um diesen „once-in-a-century credit tsunami“ vorauszusehen. Da fragt man sich schon, warum hat er die ganze Zeit eigentlich immer so getan?

Konfrontiert mit seinen eigenen Aussagen aus der Vergangenheit (ther is „no evidence“ home prices would collapse and „the worst may well be over“) gestand er, dass er mit seiner Meinung, die Banken seien zu einer Risikoabwägung fähig und würden sich allein aus Eigennutz vor Übertreibungen schützen können, falsch lag.

Irgendwie ein komisches Gefühl, die ganze Zeit einem falschen Propheten hinterher gelaufen zu sein.

Und geradezu erschreckend klingt es, wenn Greenspan sagt: . „I did not forecast a significant decline because we had never had a significant decline in prices.“ Mit anderen Worten: Weil wir eine Entwicklung vorher noch nie beobachtet haben, rechnen wir auch nicht damit, dass sie in Zukunft eintreten könnte. Da hätte ich aber ein wenig mehr an Prognosekraft erwartet. Doch der ehemalige Fed-Chef glaubt, dass auch das zuviel verlangt ist: „Wir sind als Menschen einfach nicht klug. Wir können die Dinge nicht so weit im Voraus sehen.“

Aber nicht nur das, Greenspan gestand auch, dass er oft einfach dem Willen des Kongres gefolgt sei und so gehandelt habe, wie man es von ihm erwarte und nicht das getan habe, was er selbst für richtig hielt – wie bitte?

Dass er dann noch meint credit-default swaps „have serious problems“, ist fast nur noch eine Fußnote wert. Ausführlich nachzulesen im Wall Street Journal.

Es gibt wohl insgesamt nur noch drei Neoliberale in Deutschland: Den Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer, den Wirtschaftswoche Chefredakteur Roland Tichy und den CDU-Politiker Friedrich Merz. Während die beiden erst genannten in ihren Kommentaren (Wir letzten Neoliberalen, Ziesemer) und (Bekenntnis zum Neoliberalismus, Tichy) klar Stellung beziehen hat Merz seine Sicht der Dinge jüngst in einem Buch niedergeschrieben (Mehr Kapitalismus wagen).

Hut ab, meine Herren. Während rings rum alles abbrennt, private und öffentliche Banken kurz vor der Insolvenz stehen, Dax-Anleger binnen eines Jahres 50% ihres Einsatzes verloren haben, kleine Länder in die Zahlungsunfähigkeit abrutschen und die ganze Welt vor eine gewaltigen Rezession zittert, stehen Sie in diesem Sturm tapfer an Deck eines untergehenden Schiffs dessen erste Offiziere selbst längst in die Rettungsboote geflüchtet sind.

Nicht nur das, Sie werfen weiter dem Staat Versagen vor, so als ob die Ursachen der Krise hier zu suchen wären. Dabei stimmt ihre Argumentation vorne und hinten nicht mehr, denn sie geht von der reinen Lehre, einem theoretischen Modell aus, was es so in der realen Wirtschaftswelt nicht zu beobachten ist.

Die Spieler an den Märkten halten sich eben selbst nicht an die Regeln des Marktes und wenn Tichy in seinem Kommentar beispielsweise behauptet, die staatliche Post hätte sich gegen die Einführung von E-Mail gewehrt, dann sollte er sich einfach mal das Verhalten von Unternehmen wie Microsoft, Eon oder RWE anschauen. Diese Firmen verteidigen mit Händen und Klauen ihre Monopolgewinne, die sie durch ihre geschlossenen Systeme bzw. Netze erlangen. Wo liegt also der Unterschied?

Nicht anders sieht es bei Bernd Ziesemer aus. Während die Staaten in Europa und die USA bis aufs Äußerste gefordert sind, das Finanzsystem aufzufangen, spricht er von „gewaltigen Kollateralschäden der Rettungsaktionen“. Kann es sein, dass hier etwas grundlegend verdreht wird?

Hätte der Finanzmarkt so wie von beiden prognostiziert funktioniert, wären Rettungsaktionen gar nicht nötig gewesen und noch ist fraglich, ob sie überhaupt möglich sind. Wenn der Markt trotzdem kollabieren sollte, kann man das wohl nicht als einen durch die Politik verursachten Kollateralschaden bezeichnen.

Und, während besonders der Kollege Tichy gerne auf den schmarozenden Sozialhilfeempfänger in seinen Kommentaren schimpft, zeigt sich in der Krise der wahre Unterschied zwischen dem Sozialhilfeempfänger, dem einfachen Steuerzahler und dem Kapitalisten. Der kleine Mann verhält sich in diesen Tagen uneigennützig und hilft (zwar gezwungener Maßen über die Politik veranlasst) aber dennoch. Die großen Wirtschaftssubjekte verhalten sich aber weiter absolut egoistisch, systemkonform und verschlimmern die Krise dadurch, dass sie sich gegenseitig eben nicht helfen. Nicht zu reden davon, dass sie in guten Zeiten kaum bereit waren, etwas in den (Steuer-)topf einzuzahlen aus dem jetzt die Hilfe kommt.

Hier soll nicht dem Sozialismus dass Wort geredet werden, der seine Chance hatte und noch grandioser gescheitert ist als alle anderen Systeme. Aber in der jetzigen Situation auf den Feuerwehrmann zu schimpfen, der beim Löschen vielleicht Fehler macht, anstatt sich die Brandstifter vorzunehmen, ist ebenso verkehrt.

Post von Cortal Consors. Die Urgroßmutter des Onlinebankings in Deutschland sorgt sich um ihre Kunden und lieferte heute eine vertrauensbildende Maßnahme in die Briefkästen ihrer Kunden. Darin heißt es: Sehr geehrte(r)… „Auch Sie verfolgen in den Medien die Diskussion zum Thema Finanzkrise und Sicherheit deutscher Banken. Diese Diskussion wird leider oft wenig sachkundig geführt und die Verunsicherung der Kunden durch falsche Information noch verstärkt.

Ist das so? Ich bin keineswegs durch die Diskussion in den Medien verunsichert, sondern durch das unvorstellbare Ausmaß dieser Krise. Das sollten man bitte nicht verwechseln.

Und wenn ihr, liebe Consors, glaubt, mir jetzt mitteilen zu müssen, dass Consors Deutschland „eine profitable und damit stabile Bank“ ist und euer Mutterkonzern BNP Parisbas „mit einem Eigenkapital in Höhe von über 50 Mrd. Euro (Stand: 30.06.2008) die zweitgrößte Bank der Eurozone“ ist, dann hätte ich gerne auch die ganze Wahrheit gewußt. Nämlich dass die BNP auch das staatliche Rettungspaket in Anspruch nimmt und zwar in Höhe von 2,55 Mrd. Euro.

Und was bedeutet in diesen Zeiten schon die Größe einer Bank? Nichts! Die US-Bank Wachovia oder der Versicherer AIG sind (waren) auch nicht gerade klein. Die Mechanismen dieser Krise sind eben ganz andere.

Dennoch scheint mir aus laienhafter Sicht Consors bzw. BNP in diesen Zeiten wirklich eine der besseren Adressen zu sein, wenn das überhaupt noch irgendein Mensch sagen kann. Der Aktienkurs der BNP jedenfalls ist weit weniger unter Druck geraten, als die Notierungen der deutschen Banken.

Allerdings verbirgt sich hinter dem Anschreiben sicher auch ein Geschichte. Wieviel Kunden ziehen denn ihr Geld von ihren Onlinekonten ab? Findet überhaupt noch ein Handel statt und könnte Consors am Ende dadurch doch unter Druck geraten? Ist der Brief nicht am Ende kontraproduktiv?

Ganz ehrlich, da geht das ganze Bankensystem bei uns den Bach runter, fordert Bürgschaften von den Bürgern und zieht am Ende vielleicht sogar noch die produzierende Wirtschaft mit in den Ruin und unsere Medien beschränken sich brav auf ihre Pflicht als Chronist.

Es wird fein aufgeschrieben was passiert. Das alleine ist zwar schon schlimm genug, doch es reicht einfach nicht zur Darstellung des größten Wirtschaftsskandals in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik.

Zwar traut sich der oder andere an einen bösen Kommentar – wie heute Herr Jakobs von der Sueddeutschen. Doch was hilft es, wenn ex post der schwarze CSU-Filz in Bayern angeprangert wird ( und die CSU bezeichnet wird als „eine Partei, die sich mit dem Freistaat Bayern verwechselt hat und in einer Art Monopolwirtschaft Interessenpolitik betrieb“).

Nacher sind wir schließlich alle schlauer, sicher auch ein Herr Huber. Seit Jahren geht das so, wie jetzt der Kommentator festgestellt hat, doch warum hat die in Bayern beheimatete Zeitung das nicht längst schon zum Thema gemacht und einfach mal vorher recherchiert und aufgedeckt?

Sich zum Beispiel mal mit der Person Jörg Asmussen, dessen Funktionen und Wirken beschäftigt. Dieser Mann im Range eines Staatssekretärs ist nämlich durchaus mit zu den Verantwortlichen zu zählen, da er das Thema Verbriefung aktiv befördert hat und jetzt als Mitglied der Expertenkommission der Bundesregierung alles zum Guten wenden soll. Das Handelsblatt bezeichnet ihn heute sogar als „Finanzkrisen-erprobten Staatssekretär“!?

Da wundert es natürlich auch nicht mehr, das Ausmussen noch im Oktober 2008 für den Lobbyverein TSI „in einer Eröffnungsrede die Verantwortung des Staates für die Stabilität des Finanzsystems herausstrich. Wer sich jetzt nicht verarscht vorkommt, der glaubt sicher auch, dass das Geld auf dem Sparbuch absolut sicher ist.

Überhaupt hat ein Großteil der Institute, die jetzt im Sumpf stecken unter dem Dach der TSI gemeinsam den ganzen Mist ausgeckt. Man schaue sich dazu in Ruhe die Liste der TSI Gesellschafter an. Dennoch kann man das Thema auch noch mitten in der Krise positiv beleuchten, wie es mein ehemaliger Kollege Peter Köhler für das Handelsblatt noch im Juni tat („Die Verbriefungsinitiative TSI ist ein Vorzeigeprojekt zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschland„). Ja, wenn das Ziel in der Ruinierung des Finanzplatzes bestand, dann es ist wahrlich ein Vorzeigeprojekt. Entschuldigung lieber Peter, aber wer sich so zum Sprachrohr der Finanzindustrie macht, der sollte wirklich das Ressort wechseln, zwischendurch einen Kaffee trinken, einen Kollegen fragen, mindestens aber dafür sorgen, dass er sich einen Begriff wie „Vorzeigeprojekt“ nicht zu eigen macht. Dieser Text ist in dieser Form leider von vorne bis hinten eine Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Leser, auch wenn man zugestehen muss, dass im Juni der ganz große Knall noch nicht erfolgt war.

Und wer heute aufmerksam zwischen den Zeilen zu lesen vermag, der findet neue (und bislang versäumte) Themen bald nach jedem Satz. Beispielsweise im Interview der SZ mit der bayerischen FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Das ist ein so unglaubliches Dokument des Versagens der politischen Klasse in Bayern und der Handelnden Personen in der Bayerischen Landesbank, dass es einem die Sprache verschlägt. Leutheusser-Schnarrenberger sagt zu ihrem Treffen mit Landesbankchef Michael Kemmer und Sparkassenpräsident Siegfried Naser am vergangenen Samstag „Die Informationen, die wir von den beiden Herren bekommen haben, waren höchst unbefriedigend. Das waren Zahlen, die durcheinander gingen. Es war völlig unklar: Was braucht die BayernLB an Geld? Bis wann? Was heißt das für den Haushalt? Welche Entscheidungsspielräume gibt es überhaupt noch?“

Wie bitte? Jeder Turnverein 1886 e.V. soundso ist offenbar besser geführt als dieses Institut. Die Süddeutsche aber bringt im Gedruckten das Interview irgendwo im Inneren der Zeitung, so als sei man mit Schuld an den Zuständen.

Aber vielleicht ist man das auch. Denn es wird überwiegend einfach nur hinterher geschrieben. Mit etwas mehr investigativem Eifer hätte man diese Zustände doch schon weit eher aufdecken können, anstatt sie nachher in einem Kommentar zu verurteilen.

Und so wie bei der Süddeutschen ist es in den anderen Redaktionen auch. Im Grund verhält man sich wie die Aktienanalysten oder Volkswirte, die ihre Prognosen immer dann großspurig anpassen, wenn jedermann selbst sieht, das etwas Schief geht. Für die Aussage, dass es mit dem Wachstum in den nächsten Monaten nichts wird, brauche ich einfach keinen Volkswirt.

Aber wozu brauche ich dann den Journalisten? Also Leute, strengt euch mehr an!

PS: und wer von den Kollegen Zeit hat, der kann sich ja von der TSI mal das „Wasserfallprinzip“ erklären lassen. Vermutlich bedeutet es, dass man Kredite solange weitergibt, bis wir alle darin ersoffen sind.

Nächste Seite »