Ganz ehrlich, da geht das ganze Bankensystem bei uns den Bach runter, fordert Bürgschaften von den Bürgern und zieht am Ende vielleicht sogar noch die produzierende Wirtschaft mit in den Ruin und unsere Medien beschränken sich brav auf ihre Pflicht als Chronist.

Es wird fein aufgeschrieben was passiert. Das alleine ist zwar schon schlimm genug, doch es reicht einfach nicht zur Darstellung des größten Wirtschaftsskandals in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik.

Zwar traut sich der oder andere an einen bösen Kommentar – wie heute Herr Jakobs von der Sueddeutschen. Doch was hilft es, wenn ex post der schwarze CSU-Filz in Bayern angeprangert wird ( und die CSU bezeichnet wird als „eine Partei, die sich mit dem Freistaat Bayern verwechselt hat und in einer Art Monopolwirtschaft Interessenpolitik betrieb“).

Nacher sind wir schließlich alle schlauer, sicher auch ein Herr Huber. Seit Jahren geht das so, wie jetzt der Kommentator festgestellt hat, doch warum hat die in Bayern beheimatete Zeitung das nicht längst schon zum Thema gemacht und einfach mal vorher recherchiert und aufgedeckt?

Sich zum Beispiel mal mit der Person Jörg Asmussen, dessen Funktionen und Wirken beschäftigt. Dieser Mann im Range eines Staatssekretärs ist nämlich durchaus mit zu den Verantwortlichen zu zählen, da er das Thema Verbriefung aktiv befördert hat und jetzt als Mitglied der Expertenkommission der Bundesregierung alles zum Guten wenden soll. Das Handelsblatt bezeichnet ihn heute sogar als „Finanzkrisen-erprobten Staatssekretär“!?

Da wundert es natürlich auch nicht mehr, das Ausmussen noch im Oktober 2008 für den Lobbyverein TSI „in einer Eröffnungsrede die Verantwortung des Staates für die Stabilität des Finanzsystems herausstrich. Wer sich jetzt nicht verarscht vorkommt, der glaubt sicher auch, dass das Geld auf dem Sparbuch absolut sicher ist.

Überhaupt hat ein Großteil der Institute, die jetzt im Sumpf stecken unter dem Dach der TSI gemeinsam den ganzen Mist ausgeckt. Man schaue sich dazu in Ruhe die Liste der TSI Gesellschafter an. Dennoch kann man das Thema auch noch mitten in der Krise positiv beleuchten, wie es mein ehemaliger Kollege Peter Köhler für das Handelsblatt noch im Juni tat („Die Verbriefungsinitiative TSI ist ein Vorzeigeprojekt zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschland„). Ja, wenn das Ziel in der Ruinierung des Finanzplatzes bestand, dann es ist wahrlich ein Vorzeigeprojekt. Entschuldigung lieber Peter, aber wer sich so zum Sprachrohr der Finanzindustrie macht, der sollte wirklich das Ressort wechseln, zwischendurch einen Kaffee trinken, einen Kollegen fragen, mindestens aber dafür sorgen, dass er sich einen Begriff wie „Vorzeigeprojekt“ nicht zu eigen macht. Dieser Text ist in dieser Form leider von vorne bis hinten eine Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Leser, auch wenn man zugestehen muss, dass im Juni der ganz große Knall noch nicht erfolgt war.

Und wer heute aufmerksam zwischen den Zeilen zu lesen vermag, der findet neue (und bislang versäumte) Themen bald nach jedem Satz. Beispielsweise im Interview der SZ mit der bayerischen FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Das ist ein so unglaubliches Dokument des Versagens der politischen Klasse in Bayern und der Handelnden Personen in der Bayerischen Landesbank, dass es einem die Sprache verschlägt. Leutheusser-Schnarrenberger sagt zu ihrem Treffen mit Landesbankchef Michael Kemmer und Sparkassenpräsident Siegfried Naser am vergangenen Samstag „Die Informationen, die wir von den beiden Herren bekommen haben, waren höchst unbefriedigend. Das waren Zahlen, die durcheinander gingen. Es war völlig unklar: Was braucht die BayernLB an Geld? Bis wann? Was heißt das für den Haushalt? Welche Entscheidungsspielräume gibt es überhaupt noch?“

Wie bitte? Jeder Turnverein 1886 e.V. soundso ist offenbar besser geführt als dieses Institut. Die Süddeutsche aber bringt im Gedruckten das Interview irgendwo im Inneren der Zeitung, so als sei man mit Schuld an den Zuständen.

Aber vielleicht ist man das auch. Denn es wird überwiegend einfach nur hinterher geschrieben. Mit etwas mehr investigativem Eifer hätte man diese Zustände doch schon weit eher aufdecken können, anstatt sie nachher in einem Kommentar zu verurteilen.

Und so wie bei der Süddeutschen ist es in den anderen Redaktionen auch. Im Grund verhält man sich wie die Aktienanalysten oder Volkswirte, die ihre Prognosen immer dann großspurig anpassen, wenn jedermann selbst sieht, das etwas Schief geht. Für die Aussage, dass es mit dem Wachstum in den nächsten Monaten nichts wird, brauche ich einfach keinen Volkswirt.

Aber wozu brauche ich dann den Journalisten? Also Leute, strengt euch mehr an!

PS: und wer von den Kollegen Zeit hat, der kann sich ja von der TSI mal das „Wasserfallprinzip“ erklären lassen. Vermutlich bedeutet es, dass man Kredite solange weitergibt, bis wir alle darin ersoffen sind.

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