Eigentlich, so möchte man meinen, eigentlich ist die derzeit vor unseren Augen ablaufende Finanzkrise ein perfektes Spielfeld für Blogs. Unabhängige Journalisten, freie Berichterstatter und Experten könnten sich jetzt hervortun durch eine unbeeinflusste und unabhängige Berichterstattung. Denn in diesem Kontext ist augenblicklich einfach alles interessant, nicht nur die großen Zusammenhänge, sondern auch die Details.

Leider ist davon bislang wenig zu zu sehen. Wäre das Thema im Web angekommen, müßten die Blogcharts in diesen Zeiten ganz anders aussehen. Neue Blogs und Autoren? Fehlanzeige! Die Berichterstattung spielt sich fast ausschließlich in den klassischen Medien ab.

Und selbst dort lässt man die Möglichkeit, den Leser über eigene Blogs oder bloggende Gastautoren noch besser zu informieren, weitgehend ungenutzt.

Das Handelsblatt hat immerhin Harald Uhlig, in meinen Augen bislang der einzige Ökonom, der ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Lage kommentiert hat und dafür zunächst den Saft abgedreht bekam. Doch nun schreibt er wieder und hätte viel mehr Aufmerksamkeit verdient, denn er findet erneut klare Worte. Auch Frank Wiebe und Prof. Grüner bloggen für das Handelsblatt aber sie sollten viel aktiver sein. Das Blog von Chefredakteur Bernd Ziesemer ist leider auf dem Stand vom 27.8., obwohl gerade er ja in seinen Kommentaren für die Zeitung durchaus klar Stellung bezieht.

Ganz mau sieht es bei der FTD aus. Während die Redaktion zu den Olympischen Spielen in China noch ein Blog auf die Beine gestellt hat, verlegt man sich zum Thema Finanzkrise auf das Tickern. Und auch das Manager Magazin und die Wiwo verhalten sich viel zu passiv mit ihren Versuchen, zur Finanzkrise in ihren Blogs Stellung zu nehmen.

Und was passiert in den deutschen Paradeblogs? Leider auch viel zu wenig. Bei Rivva schaffen es die Einträge rund um die Finanzkrise nicht über die Sichtbarkeitsschwelle.

Der Spiegelfechter und die Nachdenkseiten beschäftigen sich intensiv mit den Finanzmärkten, und Basic Think findet den Dreh zu den Werbemärkten. Der Rest bleibt mehr oder weniger bei der alten Agenda.

Was leider zum Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Michael Haller passt: „Soweit ich es sehe, ist unter tonangebenden Bloggern unstrittig, dass die gesamte Newsarbeit auch für die Blogwelt von den journalistischen Mainstreammedien geleistet wird.“ (message 4/2008; S. 17). Und weiter: „Unter diesem Blickwinkel steht die These von der bloggigen Gegenöffentlichkeit auf einem sehr wolkigen Podest, “ schreibt der Journalistik Professor.

Ich finde, man müßte jetzt drangehen, ihn zu widerlegen. So eine „Chance“ gibt es so schnell nicht wieder.

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