Ich gebe zu, ich bin wohl etwas zu Naiv, um alle Winkelzüge zu verstehen, die Deutschlands bekanntester Banker derzeit anstellt. Aber eines habe ich mittlerweile begriffen: Ackermann ist der schlauste Fuchs von allen. Wie er sich hinstellt und streut, dass er sich schämen würde, wenn er das Rettungspaket in Anspruch nehmen müßte, ist wirklich an Abgezocktheit, Skrupellosigkeit und Berechnung nicht mehr zu überbieten.

Er hat damit alle, die bei den Verhandlungen mit am Tisch saßen und gemeinsam mit ihm das Paket beschlossen haben, so richtig an der Nase herumgeführt. Und zwar nicht nur die Vertreter der Politik sondern auch seine am Fliegenfänger hängenden Vorstandskollegen von den anderen Instituten. Die werden sich jetzt bedanken, denn er hat sie einfach im handumdrehen matt gesetzt und Ackermanns Schachzug kommt sie teuer zu stehen.

Wie das zu interpretieren ist, beschreibt Prof. Uhlig in seinem Blog auf Handelsblatt.com: „Ackermann hat getan, was er tun musste.  Er hat betont, daß die Deutsche Bank die Staatshilfen nicht braucht und auch in der Krise noch gut verdient hat.  Der emotional gefärbte Hinweis auf das “Schämen” bei der Annahme der Staatshilfe war vielleicht überflüssig, dennoch: die Aktienmärkte reagierten erleichtert auf seine Aussagen, der Kurs der Deutschen Bank ging nach oben.  Zur Erinnerung: Ackermann arbeitet für die Deutsche Bank und ihre Aktionäre.  Er hat also das Richtige getan – aus Sicht der Deutschen Bank.“

Eben, doch das ist in mehrfacher Hinsicht nur die halbe Wahrheit. Denn es nutzt der Deutschen Bank nur auf kosten der anderen Banken und der Allgemeinheit. Und wenn die Angaben von Werner Rügemer im Telepolis-Interview stimmen, dann hat die Bank von Herrn Ackermann längst hinten herum selbst Staatshilfe in Anspruch genommen.

Von daher: Ackermann sollte sich wirklich schämen.

PS: das Rügemer-Interview ist das Beste, was es bisher zum Thema Finanzkrise in Deutschland zu lesen gab.

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