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(Foto: Alexander Lorenz)

„It’s easier to watch and forward a video than it is to leave your house“,

stellt die Chicago Tribune in ihrer Betrachtung über den Verlauf der Kampagne Kony2012 fest. Zur Erinnerung: Die Macher von der Hilfsorganisation Invisibel Children forderten von den Unterstützern der Kampagne, die Nacht vom 19. auf 20. April zu ihrer Nacht zu machen und den Protest aus dem Netz auf die Straße zu übertragen. Joseph Kony, der Schlächter von Uganda sollte übernacht endlich zu einer Berühmtheit werden, weltweit.

Das ganze Lande sollte dazu mit Plakaten bekleistert werden, die die Unterstützer vorher im online bestellen konnten. Die Preisfrage: Wieviele der hundert Millionen Menschen, die im Web und in den klassischen Medien mit dem Thema in Berührung gekommen waren, würden sich tatsächlich vom Bildschirm weg begeben und mehr Aktivität zeigen, als den einen Klick auf das Video oder den Retweet-Button.

Wie hoch kann die „Konversionsrate“ bei so einer Aktion sein, wie wirkungsvoll lässt sich ein Protest aus dem Netz auf die Straße übertragen?

Offenbar passierte sehr, sehr wenig. Die mediale Begleitung der Aktion erreichte nur ein Bruchteil der zuvor erreichten Aufmerksamkeit. Die Aktion ist, wenn man die bisherigen Maßstäbe anlegt, total gefloppt.

In Deutschland gab es vereinzelte Aktivisten und „Plakathängungen“, mit geringem Echo in den Medien. Überspitzt lautet das Fazit: Du brauchst 100 Millionen Zuschauer sind nötig, um zehn Plakate zu kleben. Am Ende war es wohl so, dass die Geschichte vom Kinder verschleppenden Kony sich sehr gut für einen Film eignet und dafür, emotionale Betroffenheit bei den Zuschauern zu erzeugen, nicht aber eine nachhaltige, echte Aktion.

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(Foto: Alexander Lorenz)

Dafür ist Kony wohl zu weit weg, und auch die kritische Berichterstattung wird ihren Einfluss gehabt haben.

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