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(Foto: Goiaba, Quell: Flickr: CC BY 2.0)

Wie Facebook unsere Zukunft verkauft, hat Sascha Lobo in seinem Text
über „Facebooks Vermessung der Gefühlswelt“ ja gerade sehr schön
dargelegt. Es wird Zeit, dass wir sie uns zurückkaufen. Die Chance dazu wird uns
bald gegeben: Durch den Börsengang.

Die Idee dazu ist ganz einfach (wenn auch eher ein
Gedankenexperiment): Wenn die 900 Millionen Menschen auf der Welt, die
aktuell Mitglieder bei Facebook sind, nun auch Facebook-Aktien kaufen
würden, würde aus dem kapitalen Netzwerk wirklich ein soziales Netz
für die Gemeinschaft seiner Mitglieder. Aus dem Anteilsschein für
privilegierte Investoren würde ein Volksaktie. Die Nutzer könnten
Facebook also ausgerechnet  mit einem kleinen Umweg über den
Kapitalmarkt sozialisieren, zu ihrem Eigentum machen, es für sich
nutzen und nach ihren Vorstellungen gestalten.

Die Aktionäre wären fortan an den Gewinnen, die das Unternehmen mit
den von ihnen erstellten Inhalten erzielt, beteiligt. Läuft es gut,
winkt die Dividende – wird zu wenig auf Facebook (mit-)geteilt, fällt
der Gewinn vielleicht magerer aus. Auch die Regeln für das
Zusammenleben in dieser Netzgemeinschaft bis hin zu den leidigen AGB –
alles könnten die Mitglieder-Aktiönäre unter sich ausmachen.

Member-Shares 

Es ist ein alte Forderung der Gewerkschaften, Mitarbeiter an
Unternehmen zu beteiligen. Bei vielen Börsengängen gibt es
„Friends&Familiy“-Programme – warum nicht auch „Member-Shares“ bei
Unternehmen wie Facebook. Eigentlich wäre das mal ein feiner Zug
gewesen, den Menschen, die Facebook groß gemacht haben und die es mit
sekündlich mit Inhalten füllen, etwas zurückzugeben.

Leider wird die Idee der Facebook-Volksaktien in der harten Realität
der Börsen nicht zu ohne weiteres umzusetzen sein. Denn zum einen
stehen nicht genügend Anteile zum Verkauf und zum anderen würde eine
massenhafte Nachfrage natürlich den Preis in noch absurdere Höhen
treiben als derzeit ohnehin schon.

Obwohl also Mark Zuckerberg den Volksaktionär gar nicht fürchten muss,
haben er und seine Vertrauten vor kaum etwas so viel Angst, wie vor
der Mitsprache und dem Einfluss der Aktionäre. Und sie haben deshalb,
ohne viel Aufsehen zu erregen, Vorsorge getroffen.

Das Aktienrecht hilft ihnen dabei, sich vor lästigem Fremdeinfluss zu
schützen. Zuckerberg besitzt zwar „nur“ noch einen Anteil von knapp 29
Prozent an dem Unternehmen aber er kontrolliert mindestens insgesamt
57,1 Prozent der Stimmrechte über Vereinbarungen mit anderen
Aktionären. Er habe, so berichtet zdnet, anderen Investoren ihr Stimmrecht für 100 Dollar in bar abgekauft.

Darunter einige der frühen Investoren in das Unternehmen, wie der
Napster-Mitgründer Sean Parker, der gleichzeitig erster
Facebook-Präsident war (die Informationen finden sich alle in den
SEC-Files, man müßte sich nur die Mühe machen, das alles zu lesen).
„Das zeige, welche Überzeugungskraft Zuckerberg habe, den Investoren
klar zu machen, dass er am besten wisse, was gut für das Unternehmen
ist“, schreibt zdnet.

Genau das ist der Punkt: Ein Kopf entscheidet über 900 Millionen
anderer Köpfe hinweg. Facebook ist eben keine soziales Netzwerk,
sondern ein Unternehmen zur Datenerhebung und Verarbeitung mit
angeschlossener Werbeabteilung. Und es umgeht sogar in Teilen die
Mitbestimmungsregeln des Kapitalmarkt.

Und so werden wir nun bald verkauft und mutieren zu einem „Asset“ in
einem börsennotierten Unternehmen. Wie fühlt sich das eigentlich an?
Ich bin gespannt. Und vielleicht kaufe ich doch eine Aktie, auch wenn
ich nicht mitreden kann. Dann ist es wenigstens auch mein Unternehmen
und ihr müßt für mich arbeiten.

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