Was Hyerplapse ist, kann und was man damit machen kann, wurde in den letzten Tagen ja nun schon an vielen Stellen ausreichend dokumentiert und demonstriert.

 
Aber was macht es mit uns? Ganz einfach: Hyperlapsen verdichtet die Zeit und versetzt uns in die Lage, in ein vorgegebenes Zeitintervall noch mehr Inhalte (= persönliches Erleben) zu pumpen oder eben umgekehrt, ein vorhandenes Erleben in kürzerer Zeit abzubilden. 
 
Über die nun verfügbaren Hyperlapse-Apps sind wir plötzlich in der Lage, auch unser eigenes (Er-)Leben zu verdichten und in dieser gepressten Form im Netz auszustellen. Also: Der Sender bringt mehr unter – die Empfänger können in gleicher Zeite (noch) mehr konsumieren. 
 
Wie schön. Aber was heißt das?
 
Wer mit Schnittprogrammen arbeitet, kennt das: Nach der Beschleunigung des Videomaterials bleibt in der Timeline plötzlich ein Lücke. 
 
Diese Lücke ist ein Leerstelle, die man im Schnitt hinten abschneiden oder anders Füllen kann. Rein zufällig sind die Timelines in einem Schnittprogramm und in den sozialen Begriffen nicht nur von der Bezeichnung her ähnlich. Sie stellen den Ablauf von Ereignissen in der Zeit dar. Und so entsteht diese Art der Leerstelle nun auch im echten Leben – wenn wir es im Netz abbilden und man kann sich fragen: Müssen wir nun noch mehr erleben, um unsere Timeline im Netz zu füllen (um dort relevant und interessant zu bleiben) – oder haben wir endlich die Möglichkeit, dass bisher undokumentierte (weil zeitlich zu sehr gedehnte) Erleben auch noch zu präsentieren?
 
Es könnte sich ein Problem der Synchronisation der unterschiedlichen Geschwindigkeiten einstellen oder der Enttäuschung, wenn echtes Leben sich als langweiliger, langwieriger herausstellt, als die hypergelapsten Ereignisse.
 
Rutschen wir am Ende in die Hyperrealität?

 

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