Ich nenne es die Sharing-Lüge – weil es sich hier um kein echtes Teilen handelt im Sinne von „ich gebe etwas ab“ handelt. Die verschiedenen Plattformbetreiber von Airbnb bis Uber haben es geschafft, sich den Begriff Sharing (der vermutlich aus der Open Source Bewegung kommt) anzueignen und nutzen ihn als gutes Mäntelchen für ihre Geschäfte – oft an der Grenze zur Ausbeutung.

Atomisierte Anbieterbasis

Denn was tun diese Plattformen eigentlich? Sie atomisieren die Anbieterbasis (die sie zum Teil selbst erst induziert haben), bündeln und verteilen auf der anderen Seite die Nachfrage. Das ist aus der Sicht der Plattformbetreiber wirklich nicht schlecht, denn zugleich sind sie auch noch in der Lage, die Austauschbedinungen festzulegen. Und da nun bei diesem System die gesammelte Nachfragemacht auf den einzelnen Anbieter trifft, rutscht der in eine verdammt schlechte Position, die sich nur in einem Preisdruck manifestieren kann. 

Denn nur scheinbar handelt es sich bei der Buchung eine Privatbettes oder eines privaten Fahrer über die Plattformen um ein eins-zu-eins Austauschverhältnis, denn das ist nur die Allokation die nun sehr effizient über die Plattformen und die angeschlossenen Apps stattfindet. 

In Wirklichkeit ist jeder der vereinzelten Anbieter in seinem lokalen Markt Konkurrent eines jeden anderen, alle treffen aber auf eben jene gebündelte Nachfrage. Merkt ihr was? 

Der Middleman lebt – er ist stärker als je zuvor

Hier verschieben sich Gewichte und zwar gehörig. Denn auch ein weiteres Internet-Postulat ist in Wahrheit ein Märchen: Nämlich die Geschichte vom „Death of the middleman“. Klar, verschwinden viele der alten Mittelsmänner und Händler doch nur um noch mächtigeren Formen von Gatekeepern Platz zu machen. 

Von einem fairen und direkten Austausch zwischen den Wirtschaftssubjekten sind wir weiter entfernt als jemals zuvor. In allen Bereichen auf das Netz abbildbaren Geschäftsmodellen und darüber hinaus machen sich die neuen Plattformbetreiber als Monopolisten breit. 

Sie unterliegen dabei weder einer Mitsprache noch einer Kontrolle. Sharing, Teilhabe und Transparenz sieht wirklich anders aus. Was im übrigen auch auf die sozialen Netzwerke zutrifft. 

So führt die Ökonomie des Teilens auf direktem Weg zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens, schreibt Byung-Chul Han in der Süddeutschen und in seinem Buch. Und weil jeder sein eigener, auf sich selbst gestellter Unternehmer ist, wird auch die Revolution ausfallen, meint Han: „Freie Selbstausleuchtung und -entblößung folgt derselben Effizienzlogik wie die freie Selbstausbeutung. Wogegen protestieren? Gegen sich selbst?“ 

 

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