Große Bühne für den Mittelstand

Große Bühne für den Mittelstand

Es ist ja eine Fehlinterpretation zu glauben, früher war die Zukunft einfacher (vorherzusehen) bzw. zu gestalten oder es gab gestern weniger zukünftige Möglichkeiten als heute.

Es gibt nämlich immer und in jeder Generation gleich viel Zukunft, nur heute erscheinen uns die Optionen schon fast mehr als unendlich, weil sich mit jeder realisierten technischen Entwicklungen der vorherdenkbare Möglichkeitenraum nicht etwas auf ein bestimmtes Ziel verengt, sondern im Gegenteil: er erweitert sich fast beliebig.

Marktführer sein reicht nicht mehr

Ein Besuch beim Mittelstandstag der Stadtsparkasse Düsseldorf am Donnerstag erlaubte einen Blick in die Seele des mittelständischen Unternehmers, der sich seit je her um allerbeste Produkte und zufriedene Kunden bemüht.

Nur heute muss er feststellen: das reicht nicht mehr. Eine Welle von fremd und bedrohlich klingenden Entwicklungen überrollt die Unternehmer – sie sollen nach Auskunft von „Experten“ Risiken und Chancen zugleich darstellen.

– neuronale Interfaces
– Augmented Reality
– Customization
– Collaboration
– Smart Services
– Intelligente Städte
– KI
– Big Data
– Internet of things

sonst noch was?

Nur: Wer soll sich das alles anschauen, wer die daraus abzuleitenden Strategien entwickeln, wenn schon für die eigentliche Produktion oder Dienstleistung die Fachkräfte fehlen? Sich die Geschäftsführung mit Preisdumping aus Asien und Überregulierung in der EU rumschlagen muss?

Die Welt des Unternehmers, zumal wenn er Mittelständler ist, ist enorm komplex geworden. Da, wo Konzerne ihre Forschungsabteilungen und Beraterstäbe haben, steht die Geschäftsführung des 30-Mitarbeiterbetriebes allein im Wind.

Und wenn das Unternehmen Pech hat und nicht schnell genug, bzw. richtig reagiert fliegen links und rechts die Startups vorbei, die das Geschäft, unbelastet von Tradition und Regulierung aber dafür vollgepumpt mit Venture Kapital kurzerhand an sich reißen. Die Taxibranche, der Handel, Zeitungen und zig andere Bereiche können ein Lied davon singen.

Neue Tugenden für Unternehmer

Und so macht sich eine gewisse Unsicherheit und Überforderung bei manchem Teilnehmer bemerkbar, der erkennt: Nur mit klassischen Unternehmertugenden ist kein Überleben mehr garantiert. Es reicht nicht mehr, in der eigenen Branche Experte und Marktführer zu sein, Prozesse zu beherrschen oder die Kunden zu kennen.

Ein allgemeines Verständnis von Zukunft und ein tieferes Verständnis der Auswirkung von Vernetzung sind die neuen Grundtugenden – weil fast jede Branche davon betroffen sein wird, selbst wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Lieferketten, Kundenbeziehungen – alles gerät aus der guten alten Ordnung. Gleichzeitig tun sich neue Nischen auf, für den, der schnell reagiert. Märkte werden dabei nicht von der Politik dereguliert, sondern durch Innovatoren, das bedeutet: Wer auf den Schutzraum Regulierung vertraut hat verloren.

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