Dezember 2014


Diejenigen, die über Monate mit dem Gerede über eine Maut für Ausländer das gesellschaftliche Klima vergiften haben, sollen sich jetzt bitte nicht entrüsten, wenn Menschen unter diesem Eindruck nun Ausländer fürchten, die nicht nur unsere Straßen nutzen wollen, sondern sogar hier wohnen möchten, weil ihre Heimat wegen irgend einem sinnlosen Krieg vielleicht in Schutt und Asche liegt.

Der „Ausländer“, sonst im politisch korrekten Sprachgebrauch peinlichst vermieden, wurde über das Thema Maut durch die Hintertür in die Diskussion hineingelassen. Der Begriff verdeutlicht dem Wähler: Es gibt uns und es gibt die. Und die wollen uns was wegnehmen, von unserem Wohlstand, von unserem Geld. Das aber darf nicht sein. Man kann ebenso wenig dieses mit der Maut verschüttete Wasser nicht mit dem Lappen Willkommenskultur wieder aufwischen.

Weltbild des Fremden

Und so wird hier ein Weltbild gezimmert, in dem der andere immer der Fremde bleiben wird. Im Kontext Pegida spürt man nun die volle Wucht dieses Denkens. Mehr noch: dadurch, dass die Politik keine Antwort auf die unter der missbräuchlichen Nutzung des Islam verübten Verbrechen findet, potenziert sich dieser Effekt, denn nun kommt auch noch Angst hinzu.

Da mag Cem Özdemir noch so viele Fotos von seinen „fundamentalistischen Eltern“ auf Facebook posten, es wird an der Ausgangslage nichts ändern. Die Menschen spüren Angst, eine Emotion aus der Tiefe unseres Unterbewußten. Eine Angst, die niemand rechtfertigen muss und die kaum zu reflektieren ist. Besonders dann nicht, wenn das Selbstmordattentat, das Enthauptungsvideo, die Geiselnahme oder das Massaker zu den täglichen Nachrichten gehören, wie das Wetter. Wer hier keine Emotion mit dem Vorzeichen Angst empfindet, gerade dem mangelt es an Empathie.

Gestern Sydney, heute Pakistan, davor Enthauptungen westlicher Geiseln in Serie. „Taliban Terror gegen Kinder“ oder  „Tote bei Terror in Sydney“ die Unmenschlichkeit und die Barbarei in diesen Vorgängen vermag niemand mit dem Verstand zu verarbeiten, oder gar in ein logisch schlüssige politische Argumentation zu pressen. Schon gar nicht, wenn der so genannte Krieg gegen den Terror in bestialischer Gegengewalt und Folter mündet und zwangsläufig zu noch mehr Terror und Gegengewalt führen wird. Fest steht nur: Die Situation der Welt wie sie ist steht für das komplette Versagen der Politik der letzten Jahrzehnten, wenn nicht sogar der letzten 120 Jahre.

Argumentationslücken

Und genau darum sind alle Argumentationen der Verurteilung von Pegida und anderen Bewegungen nicht schlüssig bzw. Beweis der eigenen Ratlosigkeit und oft mit einer Doppelmoral unterlegt. Auch die Ironie des Cem Özdemir zeugt nur von seinem Unverständnis der Situation. Natürlich werden die oben beschriebenen Ängste nun von selbst ernannten Führern und von wie aus dem nichts entstandenen Gruppen instrumentalisiert, die nun die Gunst der Stunde erkennen und für sich nutzen. Für alle, die vielleicht kommentieren werden: Nein, ich teile die Ziele der Pegida nicht und sehe die Entwicklung vielmehr mit Sorge und Bestürzung. Aber man muss versuchen zu erklären anstatt zu verurteilen.

Und ist es wirklich Politik auf einem höheren Niveau, eine Maut für Ausländern mit aller Macht durchdrücken zu wollen oder über die Pflicht zum innerfamiliären Gebrauch der deutschen Sprache zu debattieren?

Der Bürger möchte einfach nur von den Unbillen dieser Welt fern gehalten werden, und wenn doch etwas Schlimmes drohen sollte, möchte er getröstet und beschützt und nicht für seine Angst verurteilt oder verhöhnt werden.

Über die letzen Legislaturen wurde doch genau so regiert: Du wählst uns und wir machen den Rest und liefern die ein rund-um-sorglos Paket, halten dich von Finanzkrisen und Kriegen da draußen fern. Und nun merken Leute instinktiv, das war eine Lüge. Es gibt eine andere Welt als wohlfühl Deutschland und diese Welt wirkt sich auf das eigene Leben aus, und sei es zunächst nur über die Bilder, die in die Hirne dringen. Nun aber werden die verantwortlich gemacht, die über Jahre das Gegenteil versprochen haben.

Lasst euch intelligentere Lösungen einfallen, denn den Menschen zu befehlen, sei mal intelligent wird nicht funktionieren.

Warum wundert mich das jetzt nicht? Die Deutsche Bank erneut angeklagt. Gleichzeitig stellt das Institut Milliarden! für Rechtstreitigkeiten zurück.

Aber hey, das ist nun mal das Geschäftsmodell und eine sehr einfache Rechnung: Solange die fragwürdigen Geschäfte mehr bringen als sie an Prozesskosten verursachen, werden sie natürlich fortgeführt.

Kaum ein Institut, das nicht betroffen ist. Aber Hauptsache, man hat einen Reiter „Verantwortung“ auf der Homepage. Und dann verspürte ich kurzfristig einen Brechreiz und dachte dann, das ist es doch nicht Wert. Aber lest selbst:

„Wert für alle schaffen
Das Bankgeschäft muss nachhaltiger werden. Für uns heißt das: Integrität und Verantwortung müssen unser Handeln bestimmen. Bei allem, was wir tun, wollen wir Wert schaffen für unsere Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter und zugleich einen Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten. (Quelle: Homepage Deutsche Bank)“

Wie passt das jetzt zusammen mit der Liste der Vorwürfe von Marktmanipulationen bis zur Steuerhinterziehung? – oder lesen die ihren eigenen Wertekatalog nicht? Man könnte glatt meinen, dass hier eine gewisse Doppelmoral herrscht, sicher wieder ein Vorwurf, dem die Bank entschieden entgegentreten wird.

Ein unmöglicher Beweis

Ein unmöglicher Beweis

Man hätte auch fragen können: Beweisen Sie, dass Sie ein Mensch sind was aber zu der Frage geführt hätte: Was ist der Mensch? Da nun aber Wissenschaft und Religion diese Frage schon von Anbeginn des Denkens nicht zu lösen vermochten, kann man sicher davon ausgehen, dass Microsoftkunden ebenso daran scheitern werden.

Also behilft man sich mit der negativ Definition. Was aber bin ich, wenn ich etwas nicht bin? Und was, wenn Maschinen dereinst intelligenter sind als wir Menschen, wie es aktuell gerade viele vorhersagen und dann sehr leicht werden nachweisen können, dass sie keine Maschinen sind. Dann ist nur noch Mensch, wer es nicht mehr nachweisen kann?

Aber dann sind wir eh gescheitert als Art und brauchen auch keine MS-Produkte mehr.

Aber irgendwie finde ich die Frage auch dumm und unverschämt und keinen guten Start für eine Kundenbeziehung.