Ursula von der Leyen, Kai Diekmann during DLD15 FOCUS Nightcap . Foto: Hubert Burda Media / BRAUER PHOTOS, (CC BY-NC-SA 2.0)

Ursula von der Leyen, Kai Diekmann during DLD15 FOCUS Nightcap . Foto: Hubert Burda Media / BRAUER PHOTOS, (CC BY-NC-SA 2.0)

Über das WEF in Davos rege ich mich jedes Jahr aufs neue auf. Warum? Ganz einfach: Wir (als Bürger und Wähler) bekommen jedes Jahr erneut die Asymmetrie der Macht vorgeführt. Wir erleben den ungehinderten, unmittelbaren und ungestörten Zugriff der Eliten auf die Entscheidungsträger der Politik.

Diese Art Erstzugriffsrechts der Mächtigen auf die Macht ist in meinen Augen unzulässig, weil der Bürger nicht über diese Kommunikationskanäle verfügt und seine Interessen nicht auf diese Weise vertreten kann.

Sehr schön dokumentiert ist dieser Sachverhalt in der Serie von Pressefotos, die Hubert Burda Media dankenswerter Weise veröffentlicht hat. Wir sehen den Chef der Commerzbank mit Innenminister Thomas de Maizière auf einem Bild oder Ursula von der Leyen lächelnd neben Kai Diekmann und und und.

Man ist vergnügt, stellt sich den Fotografen und unterhält sich bestens: Nur: In Davos werden eben leider nicht die Probleme der Welt gelöst – wie die Veranstalter behaupten – sondern die eigenen Interessen vertreten, dazu noch in sehr angenehmer Umgebung.

Zwar sind auch NGO und Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, die mit an der Lösung der Probleme der Welt arbeiten sollen, aber noch nie ist mir eine Krise, ein Konflikt oder politisches Problem aufgefallen, was auf dem WEF erkennbar konstruktiv diskutiert oder gelöst wurde.

Ungleichverteilung auf der Welt nimmt zu

Im Gegenteil: Die Ungleichverteilung auf der Welt nimmt zu und die Probleme nicht ab. Erst in diesen Tagen hat Oxfam berichtet, dass bald 1 Prozent der Weltbevölkerung mehr besitzt als der ganze Rest. Und ein Teil dieser Menschen aus den 1 Prozent trifft sich wo? In Davos!

Der Journalist Henry Blodget gehört zum Zirkel der handverlesenen Medienschar. Er berichtet über

„rarified resumes and colossal wealth and power of most Davos attendees“

und berichtet von den Netzwerken der Teilnehmer und den privaten Partys, zu denen er so gerne auch Zugang hätte.

Er schildert den gelösten Umgang miteinander wenn man bei einem guten Getränk beisammen steht:

There was a bar made of snow blocks, and a couple of outdoor fires, and the CEO of the massive global corporation was there with me, bouncing up and down to keep warm, doing vodka shots and making fun of my hat (which is indeed ridiculous, but also importantly warm). The CEOs of other massive global corporations were there, too.  So was a former prime minister. And a finance minister. And the head of a major global investment bank. And Will.i.am. Etc. … Davos truly is the Super Bowl of Schmoozing.

Nun ja, natürlich ist das die Meinung von einem Outsider und vielleicht haben wir dem WEF sogar zu verdanken, dass nicht noch schlimmere Dinge passieren. Nur frage ich mich, was das in Anbetracht der derzeitigen Lage noch sein könnte.

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